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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt”

Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Übersicht historische Orientierungen

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung
Weitere Tagesmeldungen – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 2.1.1934

Neujahrsempfänge bei Hindenburg. Reichskanzler Hitler überbringt die Glückwünsche von Regierung und Volk. Der Nuntius spricht für das Diplomatische Korps – Die große Auffahrt in der Wilhelmstraße, BMP Titel und Seite 2

BMP 2.1.1934_TitelQuelle: AKiP

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Fortsetzung Neujahrsempfänge bei Hindenburg. Reichskanzler Hitler überbringt die Glückwünsche von Regierung und Volk, BMP 2.1.1934, Seite 2

+BMP 2.1.1934_bQuelle: AKiP

 

Neujahrsempfänge bei Hindenburg. Reichskanzler Hitler überbringt die Glückwünsche von Regierung und Volk. Der Nuntius spricht für das Diplomatische Korps – Die große Auffahrt in der Wilhelmstraße, BMP Titelseite und Seite 2 (Transkript)

„ […] Das deutsche Volk aber ist glücklich geworden im Erleben dieser so lange entbehrten Einheit, die, ausgehend von Ihnen, Herr Generalfeldmarschall, bis zur deutschen Jugend alle umschließt.

Die Kraft, die aus dieser Gemeinschaft strömt, hat es uns ermöglicht, in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher und politischer Krisen das Reich in seinem Gefüge zu festigen, die Autorität der Regierung und die Achtung vor den Gesetzen zu erhöhen, dem religiösen, moralischen und kulturellen Verfall unseres Volkes Einhalt zu gebieten, den wirtschaftlichen Zusammenbruch aber nicht nur aufzuhalten, sondern auf vielen Gebieten sogar eine kraftvolle Wendung zum Besseren herbeizuführen. Getragen und gestärkt von dem Vertrauen und der Zustimmung, die Sie, Herr Reichspräsident, mir und der Regierung schenkten, konnten wir in Wahrung der Ehre und Gleichberechtigung des deutschen Volkes eine Politik verfolgen, deren letztes Ziel immer nur die Herstellung eines wirklichen und aufrichtigen Frieden war und für alle Zukunft sein wird. Wir empfinden es dabei als eine besonders gnädige Fügung des Schicksals, in Ihnen, Herr Reichspräsident, als unserem obersten Schirmherr, für unser Wollen und Handeln einen Zeugen zu besitzen, der der ganzen Welt die Aufrichtigkeit unserer Absichten beweisen kann und muß.“

Im Anschluss daran sprach der Reichskanzler dem Reichspräsidenten im Namen der Regierung und des ganzen deutschen Volkes Dank und Glückwunsch aus.

Fortsetzung des Artikels

 

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Die Neugliederung des Reiches. Rundfunkrede des Propagandaministers Dr. Goebbels, Vossische Zeitung vom 2.1.1934

+VZ 2.1.1934

Quelle: Staatsbibliothek zu Berlin, Stiftung Preußíscher Kulturbesitz

 

Die Neugliederung des Reiches. Rundfunkrede des Propagandaministers Dr. Goebbels, VZ vom 2.1.1934 (Textauszug)

Reichsminister Dr. Goebbels hielt am Silvesterabend über alle deutschen Sender eine Ansprache, in der er zunächst die Wandlungen aufzeigt, die sich in Deutschland während des letzten Jahres vollzogen haben. Über die Etappen des 21. März, des 1. Mai, der unvergeßlichen Tage in Nürnberg, des 1. Oktober und des 12. November habe sich die wunderbare und in späteren Jahrzehnten gewiss fast als unwahrscheinlich geltende nationale Einigung vollzogen. Das Jahr 1933 werde in die Geschichte übergehen als das Jahr der aus 2000jährigen Leid erstandenden deutschen Nation. In diesem ersten nationalsozialistischen Winter sei kein einziges Glied des deutschen Volkes, und sei es noch so arm und bedürftig, im Stich gelassen worden. […]

Politisch ist für uns das kommende Jahr das schwere Problem einer neuen und organischen Gliederung des Reiches aufgegeben. Fußend auf dem festen Boden der Tradition wird hier eine Reform durchgeführt werden müssen, die der Vereinheitlichung des Volkes eine gleiche Vereinheitlichung des Reiches zur Seite stellt. Der Nationalsozialismus aber als Idee und Bewegung wird beide in seine feste Klammer nehmen, die unzerbrechbar sein soll für alle Zeit. Dann können wir mit Ruhe und Gelassenheit der weiteren Entwicklung der außenpolitischen Probleme entgegengehen. Volk und Nation stehen auf sicherem Grund. Keine Macht der Welt kann sie auseinanderteilen oder zerreißen.“

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Kladderadatsch vom 1.1.1934 – Wettlauf der Presse

Kladd 1.1.1934_Preise

Quelle: AKiP

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Berliner Illustrirte Zeitung vom 31.12.1933 – Das sagenumwobene Langrohr-Geschütz, das aus der deutschen Stellung im Wald von Crépy 128 Kilometer weit nach Paris hineinschoß. Zeichnung von Theo Matejko nach einem Zinnfiguren-Modell im Museum auf der Plassenburg.

BIZ 31.12.1933

 Quelle: AKiP

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Dr. Walther Schmitt: Nationalsozialismus und Presse, Völkischer Beobachter vom 24.1.1934 (Transkript)

Nach diesen Erkenntnissen des Nationalsozialismus über die Bedeutung der Presse ist es selbstverständlich, daß der nationalsozialistische Staat eine Regelung des gesamten deutschen Pressewesens als vordringlich erachtete, da er die Presse weiterhin als eine der gewaltigsten und bedeutsamsten Einwirkungsmöglichkeiten auf das Volk erkannte. Sie ist ein wichtiger Teil der vielfachen erzieherischen Einflüsse, denen der Mensch im Laufe seines Lebens unterliegt, und von denen zu einem großen Teil die Bildung seines Charakters abhängt.

Die vielfachen neuen Formen des Gemeinschaftslebens, die der nationalsozialistische Staat schafft, dienen der Erziehung des Einzelnen, der Formung der neuen Generation, der Zusammenschweißung zu einer engen Volkskameradschaft und zur Bildung des einheitlichen deutschen Volkes, das bisher in der Geschichte noch nicht existiert hat. Diese politische Erziehungsarbeit geschieht überall, wo Gemeinschaft sich bildet oder Gemeinschaft sich auswirkt – sei es in geistiger oder körperlicher Beziehung, und von hier aus erhält die Presse im nationalsozialistischen Staat ihre große Bedeutung als das tägliche geistige Bindemittel des gesamten Volkes. Sie steht damit auch in vorderster Linie im Kampf um die Gemeinschaftserziehung des deutschen Volkes und hat hier mit den großen nationalsozialistischen Kameradschaftsverbänden zusammen eine Aufgabe von geschichtlicher Bedeutung.

Die Presse nimmt aber nicht nur aktiv an dieser Gemeinschaftsbildung des deutschen Volkes teil, sondern auch, indem sie selbst erzogen wird, indem auch ihre Mitglieder in der ständigen lebendigen Gemeinschaft des Volkes mitleben sollen. Von hier aus bestimmt sich das Bild des nationalsozialistischen Schriftleiters, so wie ihn der neue Staat fordert: wir wollen als Typ des Schriftleiters nicht den journalistischen Bohemien, sondern an unserer Presse soll der wirken, der in ständiger gewollter und überzeugter Gemeinschaft mit dem Volke oder, konkret gesprochen, mit den Kameraden aus der S.A. lebt.

Wir wissen heute, daß jeder Mensch als Glied einer bestimmten Geschlechterreihe ein gewisses rassisches Erbgut besitzt, und daß letzten Endes seine Einstellung zum Leben und seine Bewährung im Leben von seinem rassischen Wert abhängt. Es ergibt sich hieraus, daß Menschen fremden Blutes und Angehörige einer fremden Rasse nichts in der deutschen Presse zu suchen haben, und zwar nicht, weil wir etwa behaupten, sie eigneten sich an sich nicht zum Journalisten, sondern weil die Art ihrer journalistischen Tätigkeit einen Fremdkörper in der deutschen Gedankenwelt darstellt. Doppelt klar wird diese Selbstverständlichkeit heute, wo die Presse in unserem Staat an dem werdenden Reich mitzuarbeiten und mitzuformen hat, wo sie also nicht feste, überlieferte Begriffe und feste Formen des staatlichen Lebens vorfindet, sondern selbst an ihrer Stelle die langsame Gestaltung eines artgerechten neuen deutschen Staates mitzubeeinflussen hat. Daß dies nur aus einem gemeinsamen Rasseninstinkt heraus in vollkommener Harmonie geschehen kann, ist offenbar, und die Voraussetzung der rassischen Veranlagung ist hier wichtiger als die Summe irgendwelchen toten Wissens.

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Der große Tag der Volksgemeinschaft, Berliner Morgenpost vom 30.1.1934

+BMP 30.1.1934_Tag der VolksgemeinschaftQuelle: AKiP

 

Der große Tag der Volksgemeinschaft, BMP 30.1.1934 (Textauszug)

Ohne daß die ohnehin schon schwer in Anspruch genommene Opferbereitschaft des deutschen Volkes bemüht werden müßte, wird das Winterhilfswerk aus Mitteln, die die Reichsregierung zur Verfügung stellt, für die von ihm betreuten Volksgenossen zusätzlich zu seinen sonstigen Leistungen 15 Millionen Lebensmittelgutscheine im Wert von je einer Mark und 6,5 Millionen Gutscheine über je einen Zentner Steinkohlen- oder Braunkohlen-Briketts verteilen. Das Hilfswerk hat – neben seiner praktischen Seite – vor allem das eine große Ziel, die Idee der der Volksgemeinschaft, einer wirklichen und wahren Verbundenheit aller, lebendig zum Ausdruck zu bringen. [...] Noch nie hat eine Feier in dieser Form stattgefunden, noch nie hat ein Erinnerungstag in einem so gigantischen Hilfswerk seinen Ausdruck gefunden. Um aber der Freude über den Aufbau des neuen Reiches auch nach außen hin Ausdruck zu geben, wird die Bevölkerung aufgefordert, heute von morgens 7 Uhr bis 6 Uhr abends die Fahnen des Reiches zu hissen.

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850 Gesetze in einem Jahr, Berliner Morgenpost vom 30.1.1934

BMP 30.1.1934_Gesetze
Quelle: AKiP

 

850 Gesetze in einem Jahr, BMP 30.1.1934 (Transkript)

Die große Umwälzung, die sich im ersten Jahre der Amtszeit der Regierung Hitler auf allen Gebieten vollzogen hat, spiegelt sich vor allem in der Gesetzgebungsarbeit der Reichsregierung wieder. Rund 850 neue Gesetze und Verordnungen wurden in dieser Zeit im Reichsgesetzblatt veröffentlicht; daneben wurden ungezählte Verfügungen und Erlasse nur im „Reichsanzeiger“ aber in den Organen der verschiedenen Ministerien veröffentlicht.

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Weitere Tagesmeldungen zum 2.1.1934

In Berlin wird der Film ›Schön ist jeder Tag, den du mir schenkst, Marie Luise‹ uraufgeführt. In dem Aafa-Film, dem eine Novelle von Peter Schreffers und Günther Schwenn zugrunde liegt, spielen unter der Regie von Willy Reiber Reva Holsey, Charles Kullmann, Jessie Vihrog, Rudolf Platte u.a. Die Musik schrieb Willhelm Meisel.

Verboten werden das ›Pariser Tageblatt‹, Theodor Herzl, ›Der Judenstaat‹, Wien (25. Jan. aufgehoben), Rudolf Schlichter, ›Tönerne Füße‹ (Rowohlt, Berlin), Alfred Schirokauer, ›Massalina‹ (Weichert, Berlin), und Bernard von Brentano, ›Der Beginn der Barberei in Deutschland‹, herausgegeben bei Rowohlt.

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Der deutsche Reichsjugendführer Baldur von Schirach (NSDAP) bezeichnet in einer über alle deutschen Sender verbreiteten “Neujahrsbotschaft an die deutsche Jugend” das Jahr 1934 als “das Jahr der Schulung”. Das Ziel sei “die brutale Verwirklichung des Nationalsozialismus”.

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Dokumente

Überfütterung der Presse und des Rundfunks mit Ansprachen, Geleitworten, Kundgebungen, Gedenksprüchen, Glückwunschtelegrammen und Briefen (2.1.1934)

Beobachtungen der letzten Wochen veranlassen mich zu dem Hinweis, daß es unzweckmäßig ist, wenn zum gleichen noch so bedeutsamen aktuellen Anlaß allzuviele Ansprachen, Geleitworte, Kundgebungen, Gedenksprüche und andere Äußerungen, Glückwunschtelegramme und Briefe durch Presse und Rundfunk zur Verbreitung gelangen. Statt des erhofften Erfolges wird durch die Vielzahl solcher im Thema gleichartiger Veröffentlichungen nur eine Ermüdung des Hörers oder Lesers erreicht. Ich erwarte für die Zukunft, daß Parteigenossen, die solche mit ihrem Namen gekennzeichnete Veröffentlichungen für notwendig halten, mich davon in Kenntnis setzen.

Aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 131.

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Als Plakat und auch als Stempel verwendet: “Es kommt der Tag”, Symol der Untergrundtätigkeit des “Sozialistischen Kampf-Bundes” nach 1933

Sösemann, Eberhard

 aus: Sösemann, Eberhard

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Dresden nach der Bombadierung der Alliierten vom 13. bis 15. Februar 1945

AKiP_Dresden (Februar 1945)

Quelle: AKiP

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Karikatur – Das ist der Weg

AKiP_Karrikatur-Das ist der Weg...

Quelle: AKiP

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Verhaftung der Reichsregierung Dönitz am 23. Mai 1945

AKiP_Verhaftung Reichregierung Dönitz (Foto vom 23. Mai 1945)

Quelle: AKiP

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“Der Krieg ist aus!” – Aachener Nachrichten vom 8.5.1945 

AKiP_8. Mai 1945

 Quelle: AKiP

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Zur historischen Orientierung

Zum Jahreswechsel 1933/34

1933/34 verkündeten die Zeitungen und Illustrierten, Plakate und der Hörfunk in unterschiedlicher Intensität die zentralen Botschaften des NS-Regimes: Das erste Jahr der „nationalen Revolution“ habe die von dem „Führer und Reichskanzler“ versprochene „Erneuerung des völkischen Lebens“ in allen Punkten gebracht. Innen- und außenpolitisch habe das Deutsche Reich an Ansehen gewonnen, weil es mit seiner konsequent verfolgten „Friedenspolitik“ im Inneren und auch im Ausland Vertrauen aufgebaut habe – selbst in Polen, Frankreich und im Vatikan, mit dem man sich bereits im Sommer in einem viel beachteten Konkordat habe verständigen können. Die NS-Regierung stehe anerkannt und allseits geachtet da; ihre Bedeutung in Europa und der Welt sei gewachsen. In internationalen Organisationen wie dem Völkerbund, in der Wirtschaft und Kultur sowie im Sport nehme Deutschland eine starke Position ein. Es sei nicht mehr das Objekt fremder Mächte, kapitalistischer Ausbeuter oder jüdischer Spekulanten.

 

Die ausländischen Kritiker

bewiesen nur ihre hohe Unkenntnis oder ideologische Voreingenommenheit, wenn sie das Reich als ein großes Gefängnis darstellten. Die angeblich gleichgeschaltete und scharf zensierte Presse sei vielmehr endlich unabhängig von individuellen Verleger- oder anonymen Konzerninteressen. Sie habe sich im Gegenteil qualitativ erheblich verbessert, sich in ihrer Berichterstattung auf ihre vornehme und eigentliche Aufgabe besonnen, dem Volke zu dienen, und habe nur ihre radikalen Vertreter, die Hetzblätter, eingebüßt. In leuchtenden Farben wurden die Volksnähe der Staats- und Parteiführung beschrieben, das Gemeinschaftsgefühl, die Arbeitsbeschaffungsprogramme, Justiz- und Wirtschaftsreformen sowie die Sammel- und Spendenfreudigkeit der Bevölkerung.

 

Der Leser von 1933

erfuhr selbstverständlich so gut nichts über die Machtkämpfe Hitlers gegen seine Koalitionspartner Papen und Hugenberg, das katholische Zentrum und die Deutschnationale Volkspartei. Ebenso wurde in der Öffentlichkeit die forcierte Aufrüstung nicht publik gemacht. Dem Zeitungsleser blieb außerdem weithin verborgen, dass sich die desolate finanzielle und wirtschaftliche Lage bei weitem nicht so schnell verbesserte, wie es die Propagandisten behaupteten. Die geschönten Statistiken waren ebenso wenig zu durchschauen wie die Verhältnisse in den Lagern der schlecht bezahlten Notstandsarbeiter im Moor und beim Autobahnbau. Auch die streng vertraulichen Reglementierungen der Medien, die Presseanweisungen, blieben dem Leser von 1933 unbekannt, die rigorosen Eingriffen in das Vereins- und Verbandsleben und der Umfang der Verfolgungen aller Oppositionellen, der Vertreibungen sowie die realen Verhältnisse in Gefängnissen und Konzentrationslagern.

 

Die Pressechronik 1933

hat vom 30. Januar 2013 bis zum heutigen Tag (2.1.2014) die Situation des Journalismus vor achtzig Jahren zu dokumentieren versucht. Die Zerstörung einer ehemals existierenden Vielfalt konnte an Hand ausgewählter Ereignisse und Themen gezeigt und erläuter werden. Die historischen Zeugnisse waren thematisch weit gespannt und wurden zu diesem Zweck multimedial ausgewählt. Sie reichten von Bild- und Textquellen – mit transkribierten und erläuterten Passagen – über audiovisuelle Beispiele bis hin zu Dokumenten aus den späteren Jahren der NS-Diktatur. Mit ihnen ließen sich die Taktik und die Strategie der Machthaber wenigstens in ihren Grundzügen erläutern, konnte die verlogene Friedensrhetorik Hitlers ebenso enthüllt werden wie die von Goebbels initiierten Verzerrungen in der Berichterstattung.

 

Der heutige Leser

und die Nutzer unserer Dokumentation „Journalismus in der Diktatur“ im Internet waren nicht die Adressaten der Texte. Damit ist zwar eine Selbstverständlichkeit formuliert, doch sollte man sich ihrer auch dann gewiss sein, wenn die Suggestivkraft der Quellen und die Unmittelbarkeit des Geschilderten zu (vor-)schnellen Assoziationen und Vergleichen mit gegenwärtigen Verhältnissen verführt. Die Journalisten und Zeichner wandten sich an ihr Publikum, mit dem sie den Alltag teilten, und diese Welt ist den meisten von uns fremder als sie vermuten. Allen Nutzern der Pressechronik dürfte sich aber unschwer erschlossen haben, dass am 30. Januar 1933 nicht eine „Katastrophe“ urplötzlich über Deutschland hereinbrach. Die Präsidialkabinette der Reichskanzler Brüning, v. Papen und v. Schleicher schufen bereits antidemokratische Strukturen. Es war die Zeit der „verschleierten Diktatur“ (Theodor Wolff) oder auch „Krypto-Diktatur“ (Leopold Schwarzschild) mit einem scharfen Kampf gegen kommunistische, aber der weitgehenden Tolerierung nationalsozialistischer Umtriebe. Dadurch konnten die Straßenschlachten zwischen den Links- und Rechtsradikalen in einen offenen Kampf gegen den demokratischen Parlamentarismus münden.

 

Weitaus mehr an Information als gemeinhin vermutet

hat ein aufmerksamer Leser vor achtzig Jahren den deutschen Tageszeitungen entnehmen können – trotz der diktatorialen Überwachung. Und das stand nicht „zwischen den Zeilen“ im Verborgenen, sondern in den Artikeln selbst. Die Botschaften ließen sich aus den bewusst formulierten Überschriften ableiten, aus der Gestaltung einer Seite oder aus der Platzierung von Abbildungen und Texten schließen. Mit den gelegentlichen Blicken in die freie Presse demokratischer Staaten konnten dazu eine gewisse Hilfestellung geboten werden. Jede Nachricht oder Karikatur, jedes Foto und gemeldete Ereignis sowie jeder Kommentar in der Zeitung vor achtzig Jahren stand in einem vielgestaltigen Kontext. Das Publikum von 1933 entnahm seine Informationen verschiedenen Quellen. Es las eben nicht allein eine einzige Zeitung, sondern rezipierte mitunter mehrere Blätter – das Spektrum reichte von dem Mitteilungsblättchen der Firma oder der NSDAP bis zur Illustrierten; es hörte Radio und las die politische Werbung auf den Plakaten und Litfaßsäulen, und jeder nahm täglich rundum an Gesprächen teil. Im Alltag zeigte sich auch, wie schnell und umfassend die Veränderungen im politischen und gesellschaftlichen Leben vonstattengingen, in welchem hohen Umfang die gesteuerte „Gleichschaltung“ von einer „Selbstgleichschaltung“, also von Anpassungsbereitschaft und Opportunismus, befördert wurden und sich Vertreter aus nahezu allen sozialen Schichten an diesem Prozess beteiligt haben. Bereits in den ersten Monaten verfassten Unternehmer, Dichter, konservative und liberale Politiker, Journalisten und Publizisten, Theologen oder Professoren aller Fachrichtungen Anzeigen und Aufrufe zu Gunsten der NSDAP, schrieben Ergebenheitsadressen und richteten Hymnen an den „geliebten Führer“. Sie beteiligten sich an öffentlichen Treuekundgebungen oder an spektakulären Ereignissen wie den Bücherverbrennungen oder an der Rechtfertigung von Gesetzes- und Rechtsbrüchen. Nach den Wahlen vom 5. März wünschten so viele in die NSDAP aufgenommen zu werden, dass Hitler im April einen jahrelang gültigen Aufnahmestopp verfügte, weil er befürchten musste, dass die Partei anderenfalls verbürgerlichen würde

Bernd Sösemann

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

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Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – “Journalismus in der Diktatur” ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordination: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung, Inhalt und Kommentare: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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