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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

               Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Archiv

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung –
Weitere Tagesmeldungen – Karikatur – Tagebuch – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 8.4.1933

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.
(Zum Lesen: Klicken Sie auf  die Titelseite. Ein weiterer Klick zur Vergrößerungsoption)

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Kampf dem ‚patriotischen‘ Kitsch, BMP Seite 5

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Hinweis

Die BMP gibt Goebbels‘  Auffassung von dem aus parteipolitischen bzw. weltanschaulichen Gründen zu verdammenden „Kitsch“ uneingeschränkt wieder. Sie fühlt sich entweder im völligen Einklang mit ihrer Leserschaft oder beugt sich erneut dem Wunsch der Hitler-Papen-Hugenberg-Regierung nach einem „Verlautbarungs-Journalismus“.

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Kampf dem „patriotischen“ Kitsch, BMP Seite 5 (Textauszug)

Der patriotische Kitsch ist nichts Neues, wir haben ihn schon in früheren Zeiten erlebt, und glücklicherweise sind jene Aschenbecher und Tabakpfeifen mit den Köpfen Bismarcks und Friedrichs des Großen längst aus der Welt. Eine üppige Blüte trieb der patriotische Kitsch während des Weltkrieges. Wer entsinnt sich nicht noch schaudernd jener Liebesgaben-Päckchen, die uns manchmal ins Feld geschickt wurden und deren Umhüllung die geschmacklosesten Bilder und angeblich patriotischen Aufschriften „zierte“. Es gab „Hindenburg-Senf“ und „Ludendorff-Zigarren“, es gab Kaffee-Ersatz „Eisernes Kreuz“, Schokolade in Granatenform, es gab auch Broschen in Gestalt der „dicken Berta“, in deren Mitte das Miniaturfoto eines Feldgrauen prangte, es gab Stahlhelme als Sparbüchsen und Taschentücher, auf denen die Erstürmung des Forts Douaumont in fürchterlichen Buntdruck dargestellt war. […]

Minister Goebbels hat rechtzeitig den patriotischen Kitsch gebrandmarkt, und hoffentlich wird der Einspruch genügen, um die Wucherungen dieses kulturschädlichen Wirkens zu hemmen, im Interesse der wahren Kunst, des wahren Geschmacks und der wahren Vaterlandsliebe.

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Ein Jahr Gefängnis wegen Verbreitung unwahrer Greuel-Nachrichten, BMP Seite 7

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 Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Ein Jahr Gefängnis wegen Verbreitung unwahrer Greuel-Nachrichten, BMP Seite 7 (Textauszug)

Das Berliner Sondergericht, das gestern unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Rehn seine erste Sitzung abhielt, verurteilte den 45 Jahre alten staatenlosen jüdischen Markthändler David Leisten wegen Verbreitung unwahrer Greuelnachrichten über angebliche Judenverfolgung zu einem Jahr Gefängnis. Die Anklage war auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung der nationalen Erhebung durchgeführt worden.

Leisten hatte auf dem Düppelmarkt in Steglitz die Behauptung aufgestellt in auswärtigen Orten seinen jüdische Händler mißhandelt und verstümmelt worden.

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„Die Zulassung der jüdischen Anwälte“ und  „Maßnahmen gegen jüdische Aerzte“, BMP Seite 9

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

„Die Zulassung der jüdischen Anwälte“, BMP Seite 9 (Textauszug)

Jüdische Anwälte würden nach der Neuordnung nur noch im Verhältnis zu der Bevölkerungszahl an den Berliner Gerichten zugelassen werden. Nach dem gegenwärtigen Stand komme man dabei auf 355 jüdische Rechtsanwälte. Die Berliner Anwaltschaft sei ungewöhnlich stark mit Juden besetzt gewesen. Von 3400 Anwälten seien 2500 nicht deutschstämmig gewesen. Es bekämen also gegenwärtig 900 Anwälte den nötigen Ausweisschein. Die Auslese der 35 zugelassenen jüdischen Kollegen habe große Schwierigkeiten bereitet. Man sei von dem Standpunkt ausgegangen, daß auch gewissen jüdischen Anwälten das deutsche Volk eine Dankesschuld abzutragen habe, insbesondere den Anwälten, die Frontkämpfer gewesen seien.

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„Maßnahmen gegen jüdische Aerzte“, BMP Seite 9 (Textauszug)

Die Vorschriften für die Zulassung zur kassenärztlichen Tätigkeit werden dahin geändert, daß jüdische Aerzte nicht mehr oder nur in Ausnahmefällen zur kassenärztlichen Tätigkeit zugelassen werden. Zur Durchführung der entsprechenden Vorschriften wird der Reichsausschuß für Aerzte und Krankenkassen in seiner Zusammensetzung geändert.

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Weitere Tagesmeldungen

Seit dem 30. Januar 1933 lieferte der Eher Verlag, München, 60.000 Exemplare von Hitlers „Mein Kampf“ (Gesamtauflage bisher 298.000) aus. Stalling, Oldenburg, kündigt an: „Propaganda und nationale Macht – Die Organisation der öffentlichen Meinung für die nationale Politik“ von Eugen Hadamovsky, dem Sendeleiter des Deutschlandsenders und engen Mitarbeiter von Goebbels. Warneck, Berlin, kündigt an: „Blut und Rasse. Ein Vorschlag zu wirkungsvoller Eugenik“ von Otto Kleinschmidt, dem Direktor des Forschungsinstituts für Weltanschauungskunde.

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In Hamburg beschließen die Führungen der Deutschen Volkspartei in Rheinland und Westfalen den Übertritt zur NSDAP.

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Der Hauptvorstand der Deutschen Turnerschaft, der Dachorganisation der deutschen Turnvereine mit 1 589 229 Mitgliedern, beschließt in Stuttgart den Ausschluß nichtarischer Mitglieder aus den Turnvereinen. Das gleiche gilt für Mitglieder von KPD und SPD.

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Karikatur

„Der Alpdruck“ – Der Wahre Jacob“, 30.6. 1932

Hanfstaengl, Karikatur, 75aus:Hanfstaengl. Karikaturen, 75

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Tagebucheintragungen von Thomas Mann, Harry Graf Kessler und Bella Fromm

Thomas Mann (1875-1955), Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger

Mann,Tagebuch, 41

 aus: Mann, Tagebuch, 41

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Harry Graf Kessler (1868 – 1937), Publizist und Schriftsteller

Kessler,Tagebuch, 714f._aaus: Kessler, Tagebuch, 714f.

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Bella Fromm, (1890 – 1972), Journalistin (Vossische Zeitung, B.Z. am Mittag)

(…) Die zahlreichen internationalen Gäste unterhielten sich über das neu errichtete „Außenpolitische Amt der NSDAP“. Alfred Rosenberg, der baltische Apostel und Begründer des Neuheidentums, Chefredakteur des „Völkischen Beobachters“, ist zum Chef des Amtes ernannt worden. Putzi [Ernst] Hanfstaengl, der Komponist zahlreicher brauner Märsche, ist Pressechef.

aus: Bella Fromm: “Als Hitler mir die Hand küßte” (Rowohlt, 1994; Original: “Blood and Banquets. A Berlin Social Diary”,  1943), Seite 123

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Dokumente

Erlass Badisches Kulturministerium

Walk, 8.4.1933

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Beispiel für NS-Kitsch

Hitler-Ausstellung

Quelle: AKiP

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordinaton: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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