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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

              Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Archiv

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung –
Weitere Tagesmeldungen – Tagebuch – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 9.4.1933

BMP_9.4.Titel

Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.
(Zum Lesen: Klicken Sie auf  die Titelseite. Ein weiterer Klick zur Vergrößerungsoption)

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Veränderumgen im Verlagswesen,  BMP Seite 3

+BMP_9.4.33, S.3

Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

Hinweis

Aus den Informationen zu Liquidationsverfahren, (Zwangs-)Verkäufen oder „Neuordnungen“ im Verlags- und Zeitungswesen können die starken Pressionen der Hitler-Papen-Hugenberg-Koalition herausgelesen werden, die zu Resignation und schließlich zur Aufgabe der Eigentümer führten. Die NSDAP brachte unter der Führung von Max Amann, dem Reichsleiter für die Presse, die Objekte in den wenigsten Fällen direkt an sich. Amann zog es vor, NS-Auffanggesellschaften wie die „Cautio“ zu gründen, die den Besitz dann gewinnbringend verwalteten.

 

Zur historischen Orientierung

Max Winkler und die Cautio Treuhand GmbH

In der Geschichte der deutschen Presse während der Weimarer Republik und im NS-Staat kam Max Winkler (1875–1961) und der von ihm 1929 gegründeten Cautio Treuhand GmbH eine außergewöhnliche Rolle zu. Winkler, Sohn eines Lehrers aus Posen, war als Bürgermeister von Graudenz und Abgeordneter der Deutschen Demokratischen Partei im preußischen Landtag zunächst im politischen Leben aktiv. Mit seinen Finanzkenntnissen entwickelte er sich jedoch schnell zum Experten für solche staatlichen Fonds, mit denen vor allem geschwächte Verlagsunternehmen gestützt wurden. Schließlich diente er (wie er selbst behauptete) unter 19 Reichskanzlern als „Pressetreuhänder“ des Deutschen Reichs und Vertrauensmann für diskrete Aufgaben im Zusammenhang mit der Verwaltung und Kontrolle des reichseigenen Besitzes an Zeitungsverlagen.

Zur Entgegennahme und Weiterleitung von Mitteln, die die Reichsregierungen zur Verfügung stellten, baute Winkler als „graue Eminenz“ ein undurchsichtiges System von Tarnfirmen auf. Hierzu zählten etwa die vom Reichsfinanzministerium und vom preußischen Finanzministerium finanzierte Konkordia GmbH (1920) und ihre Tochtergesellschaft Zeitungsbedarf GmbH (1923) als Finanzierungsgesellschaften; die Cura Revisionsgesellschaft mbH, die gutachterliche Aufgaben übernahm (1926); schließlich gründete Winkler im Januar 1929 die Treuhandgesellschaft Cautio. Seine geschäftlichen Aktivitäten wickelte er dabei stets unauffällig und von der Öffentlichkeit unbeachtet in seiner Berliner Privatwohnung ab.

Zur Langfassung

 

 

Veränderungen im Verlagswesen, BMP Seite 3 (Transkript)

Die Geschäftsführung des „Berliner Tageblatts“ teilt mit, daß sich sein Verleger Lachmann-Mosse entschlossen hat, die Leitung des Hauses Rudolf Mosse niederzulegen und die Geschäftsführung in die Hände alter bewährter Mitarbeiter seines Hauses zu legen. Herr und Frau Lachmann-Mosse haben auf die Dauer von 15 Jahren den Ueberschuß ihrer sämtlichen Betriebe einem gemeinnützigen Fonds zur Verfügung gestellt, damit er zugunsten der Opfer des Weltkrieges ohne Unterschied der Konfession verwendet werde. Die Besitzverhältnisse der ausländischen Unternehmungen und Tochtergesellschaften bleiben unverändert.

Der Vorstand der „Kölner Görres-Haus AG.“, die die „Kölnische Volkszeitung“, das große Zentrumsblatt am Rhein, verlegt, hat beschlossen, den Antrag auf Eröffnung des Liquidations-Vergleichsverfahrens zu stellen. Der Verlag der „Kölnischen Volkszeitung“ wird unter neuer Leitung auf eine andere wirtschaftliche Grundlage gestellt werden. Die kulturelle Grundhaltung der Zeitung und ihre politische Richtung sollen keine Aenderung erfahren.

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„Die Himmelsflotte“, BMP Seite 4

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 Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

„Die Himmelsflotte“, BMP Seite 4 (Transkript)

Die italienische Luftflotte, die jüngste, stolzeste Waffe des Landes, ist die wahre Heldin dieses ersten Tonfilms in italienischer Sprache, den man in Berlin sieht. Zweck und Ziel des Ganzen ist es, die großartigen Leistungen der italienischen Luftarmee, der „Armata azzurra“, zu zeigen, obwohl der Film daneben auch mit einer gutgebauten, spannenden Spielhandlung verwoben ist. Phantastisch, was diese Flieger können. Wie wahre Artisten der Luft zeigen sie ihre Künste. Diese erstaunlichen Geschwaderflüge, mit größter Exaktheit ausgeführt, dieses tollkühne Manövrieren, einzeln und in geschlossenen Verbänden, sah man kaum in einem Film, gewiß nie in einem europäischen Film. Denn auch mit den virtuosen Fliegerfilmen der Amerikaner verglichen, ist dieser hier ganz großartig. Die italienische Luftflotte führt Uebungen vor: Einnebeln der Stadt Mailand; sehr einprägsam, wie die spitzenartige Architektur des herrlichen Domes langsam, langsam, unter den Rauchschwaden verschwindet, Luftangriffe auf Kriegsschiffe, Gegenangriff und Abwehr durch die gleiche Waffe, mit einem Wort: man sieht den ganz modernen Luftkrieg mit all seinen Möglichkeiten.

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Der Kaufmann von morgen. Wie sich der Einzelhandel ändert, BMP Seite 12

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 Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Der Kaufmann von morgen, BMP Seite 12 (Textauszug)

Gesundung des Wettbewerbs! Um dies zu erreichen, soll von der Gewerbefreiheit der letzten Jahrzehnte abgegangen werden. Stand es bisher jedem, der etwas Kapital zur Verfügung hatte, frei, einen Laden aufzumachen, so soll schnellstens eine Sperre für Neu-Gründung von Geschäften eingeführt werden. Also ein sogenannter numerus clausus, wie er in vielen anderen Berufszweigen ebenfalls an der Tagesordnung ist.

Gerade der Plan einer Zulassungssperre, von der es nur Ausnahmen in neu entstandenen Siedlungen geben wird, mag die Inhaber von bereits bestehenden Geschäften mit neuem Mut erfüllen. Man sollte aber nicht verschweigen, daß eine schematische Handhabung einer solchen Sperre allzuleicht zu Härten führen kann. Bedeutet sie doch ein Monopol für die bestehenden Geschäfte und damit gleichzeitig eine Verminderung der Aufstiegsmöglichkeiten für junge Kräfte, die sich selbständig machen wollen. Nimmt man hinzu, daß den nationalsozialistischen Wünschen eine Zurückdämmung des jüdischen Elementes auch im Kaufmannsberuf entspricht, und daß die etwa bei dieser Gelegenheit entstehenden Lücken in den Geschäftsstraßen nicht wieder ausgefüllt werden sollen, so muß besonders eine Erstarrung des Einzelhandelsberufes vermieden werden.

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Pressestimmen

Berliner Tageblatt – „Pflichtbewußtsein“ von Karl Vetter

BT 9.4.1933

Quelle:AKiP

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Tagebucheintrag

Bella Fromm (1890 – 1972), Journalistin (Vossische Zeitung, B.Z. am Mittag)

War mit Eduard von der Heydt, dem Bankier Thyssens, zum Lunch. „Die Braunhemden haben die erste Runde gewonnen. Sie haben Deutschland erobern“, klagte er. „Diensteifrig unterstützt von Ihrem idiotischen Thyssen“, warf ich ein. „Glauben Sie nicht, daß es anständiger von dem frommen Herrn Thyssen wäre, ein Wort für die verfolgten Minderheiten, und zwar sowohl die rassischen als auch die religiösen, einzulegen, ehe er weitere Spenden an die Nazis überweist?“ Darauf gab mir von der Heydt keine Antwort.

aus: Bella Fromm: “Als Hitler mir die Hand küßte” (Rowohlt, 1994; Original: “Blood and Banquets. A Berlin Social Diary”,  1943), Seite 123

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordinaton: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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