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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

                 Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Archiv

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung – Pressestimmen
Weitere Tagesmeldungen – Karikatur – Tagebuch – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 12.4.1933

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.
(Zum Lesen: Klicken Sie auf  die Titelseite. Ein weiterer Klick zur Vergrößerungsoption)

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Das Kind muß einen Namen haben, BMP Seite 2

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Das Kind muß einen Namen haben, BMP Seite 2 (Textauszug)

 Die große Preisfrage der Morgenpost „Rate Pate!“ hat viele unserer Leser veranlaßt, über die Bedeutung von Vornamen und Familienamen nachzudenken. Darüber plaudert hier ein besonders guter Kenner und einer unsrer Preisrichter, der Romanschriftsteller Fedor von Zobeltitz. […]

Bei den germanischen Völkern erhielt das Kind bei der Geburt gleichfalls nur einen einzigen Namen, der gewöhnlich den nationalen Lieblingsanschauungen entsprach, so Bernhard „kühn wie ein Bär“, und Gertrud „Speerbraut“. Namen wie diese oder ähnliche sind noch beliebt. Unter den eingesandten finden wir einen Balder, nach dem germanischen Lichtgott, von dem nordische Quellen erzählen, weiter einen Frank, der nicht immer auf den Volksstamm hinweist, sondern auch die Bedeutung eines Freien hat. Frowald ist einfach der Frohe im Wald und auf der Jagd, Gernot der Speerschwinger, bei Hartmut erklärt sich der Name von selbst, Horst ist ein althochdeutsches Wort von verschiedener Bedeutung, hier wohl gedacht als das schützende Nest großer Vögel oder als der im Moorland liegende Hügel, der immer trocken bleibt. […] Sigurt und Siegmar, die „Siegberühmten“, erinnern an die Befreiungskämpfe des Arminius, auch der Vorname Arnim kehrt ja häufig wieder, ein ursprünglich römischer, den man indes nicht mit Hermann verdeutschen kann.

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Gleichschaltung der Elternbeiräte, BMP Seite 6

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Gleichschaltung der Elternbeiräte, BMP Seite 6 (Transkript)

Der Staatskommissar zur Wahrnehmung der Geschäfte des Stadtschulrates, Dr. Meinshausen, hat an den Oberpräsidenten (Abteilung Schulverwaltung) nachstehenden Antrag gerichtet:

Die veränderten Verhältnisse erfordern dringend eine Ergänzung der Satzung der Elternbeiräte an den Schulen. Die Vorstände der Elternbeiräte sind vielfach mit marxistischen Elementen durchsetzt. Ich bitte daher, die Bestimmung über die Zusammensetzung der Vorstände dahingehend abzuändern, daß Personen marxistischer Einstellung nicht mehr in den Vorständen vertreten sein dürfen.

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Briefwechsel Furtwängler und Minister Goebbels, BMP Seite 10

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

Hinweis

Die Abschnitte aus dem Briefwechsel zwischen dem großen Dirigenten und dem machtbewussten Propagandaminister zeigen, wie verloren die Position des Künstlers ist, der annimmt, die Qualität des Künstlers und der Kunst könne weiterhin das wichtigste Beurteilungskriterium sein.

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Briefwechsel Furtwängler und Minister Goebbels, BMP Seite 10 (Textauszug)

Zwischen Generalmusikdirektor Furtwängler und Minister Goebbels, hat ein grundsätzlicher Briefwechsel über das Wesen nationaler Kunst stattgefunden. Dabei wurde auch die Frage ausführlich erörtert, wieweit jüdische Künstler in Deutschland wirken dürfen. Furtwängler führt darin u. a. aus: „[…] Unser Kampf gelte dem wurzellosen, zersetzenden, verflachend destruktiven Geiste, nicht aber dem wirklichen Künstler, der in seiner Art immer, wie man seine Kunst auch einschätzen möge, ein Gestaltender ist und als solcher aufbauend wirkt.“

Minister Goebbels hat darauf in seinem Antwortschreiben ausgeführt:

„Ich vermag als deutscher Politiker nicht lediglich den einen Trennungsstrich anzuerkennen, den Sie wahrhaben wollen: Den zwischen guter und schlechter Kunst. Die Kunst soll nicht nur gut sein, sie muß auch volksmäßig bedingt erscheinen, oder besser gesagt, lediglich eine Kunst, die aus dem vollen Volkstum selbst schöpft, kann am Ende gut sein und dem Volke, für das sie geschaffen wird, etwas bedeuten. Kunst im absoluten Sinne, so wie der liberale Demokratismus sie kennt, darf es nicht geben. Der Versuch, ihr zu dienen, würde am Ende dazu führen, daß das Volk kein inneres Verhältnis mehr zur Kunst hat, und der Künstler selbst sich im luftleeren Raum des l´art-pour-l´art-Standpunktes von den treibenden Kräften der Zeit isoliert und abschließt.

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Die Forderung der Stunde, BMP Seite 13

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Einheit im deutschen Sport: Die Forderung der Stunde, BMP Seite 13 (Textauszug)

Schon einmal, als die jungen Sportler aus dem Weltkriege heimkehrten, voll Glauben an eine neugeschaffene Volksgemeinschaft, machten sie den Versuch, die deutschen Verbände zu einen. Die jungen Krieger glaubten, daß der Frontgeist auch in der Heimat gelte. – sie hatten sich geirrt. Und es blieb die Zerrissenheit des deutschen Sports, es setzte der Kampf der „Arbeitersportler“ gegen die „Bürgerlichen“ ein, es folgte der Kampf Turnen gegen Sport. Die Sonderbündelei trieb ihre eigenartigsten Blüten. […]

Es müssen einheitliche Kampfregeln geschaffen und dem heillosen Wirrwarr in der Verwaltung und Ausübung der Leibesübungen muß ein Ende bereitet werden.

Mit der dringend notwendigen Gleichschaltung muß auch eine Reform der Jugendausbildung gehen. Es ist dringend notwendig, daß die Schule nicht mehr abseits steht. Die Lehrer gehören in die Sportvereine und müssen hier Helfer und Führer sein.

Viel mehr als früher muß in den Jugendabteilungen der Kameradschaftsgeist gepflegt werden, selbst wenn dadurch der Wettkampfgedanke etwas zurückgedrängt wird. Erziehung zur Volksgemeinschaft muß oberster Grundsatz sein. Der Junge muß wissen, daß seine Kräfte das kostbarste Gut sind, das er in seinem Vaterland in schwerster Not stellen kann.

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Weitere Tagesmeldungen

In einem offenen Brief in der ‚Deutschen Allgemeinen Zeitung‘ appelliert der Dirigent Wilhelm Furtwängler an Goebbels: „Wenn sich der Kampf gegen das Judentum in der Hauptsache gegen jene Künstler richtet, die – selbst wurzellos und destruktiv – durch Kitsch, trockenes Virtuosentum und dergleichen zu wirken suchen, so ist das nur in Ordnung. Der Kampf gegen sie und den sie verkörpernden Geist, der übrigens auch germanische Vertreter besitzt, kann nicht nachdrücklich und konsequent genug durchgeführt werden. Wenn dieser Kampf sich aber auch gegen wirkliche Künstler richtet, ist das nicht im Interesse des Kulturlebens. Schon weil Künstler, so es auch sei, viel zu rar sind, als daß irgendein Land sich leisten könnte, ohne kulturelle Einbuße auf ihr Wirken zu verzichten. Es muß deshalb klar ausgesprochen werden, daß Männer wie Walter Klemperer, Reinhardt usw. auch in Zukunft in Deutschland mit ihrer Kunst zu Worte kommen müssen.“

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Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Robert Lehr (DNVP) wird unter dem Vorwurf der Beamtenbestechung und Veruntreuung öffentlicher Gelder verhaftet.

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Theodor Lewald, seit 1919 Präsident des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen, tritt in Berlin zurück. Er bleibt Leiter des Deutschen Olympischen Ausschusses. Dem DRA gehören 42 Verbände mit 6,5 Mio. Mitgliedern an.

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Karikatur

Daily Mirror vom 12.4.1933

Hanfstaengl, Karikatur, 165

aus: Hanfstaengl, Karikatur, 165

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Zur historischen Einordnung

Victor Klemperers Tagebuchaufzeichnungen

Der Hochschullehrer Victor Klemperer (18811960), ein Vetter des Dirigenten Otto Klemperer, war Romanist an der Technischen Universität Dresden. Sein Buch „LTI – Notizbuch eines Philologen“ und seine „Tagebücher“ (Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, 1933–1945) sind bedeutende Aufzeichnungen eines Gelehrten über den Alltag unter der Hitler-Papen-Hugenberg-Koalitionsregierung und der elfjährigen NS-Diktatur. 1935 wurde er entlassen.

Zur Langfassung

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Tagebucheintrag  Victor Klemperer vom 12.4.1933

Klemperer, Tagebuch, 22

aus: Klemperer, Tagebuch, 22

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Hans Schäffer (1886- 1967) war von 1919 bis 1932 Staatssekretär im Reichswirtschafts- und Reichsfinanzministerium und bis zum 13,3.1933 Ullstein-Generaldirektor.

Der (deutsche) Export würde zwar wahrscheinlich sinken, aber im Inneren würde doch eine gewisse Belebung stattfinden. Die Staatsfinanzen würden wohl mit irgendeiner vaterländischen Anleihe wieder aufgemöbelt worden und deren Mobilisierung würde die Reichsbank dann übernehmen.  Es käme nun alles darauf an, ob eine solche Innere Konjunktur einen Anschluss an die Weltkonjunktur fände, d. h. die Beziehungen zu ausländischen Völkern so wären, daß eine Beruhigung entsteht.

aus: Hans Schäffer Tagebücher, Leo Baeck Institute New York
Zum Originaldokument des Leo Baeck Institute

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Dokumente

Parolen: Wider den undeutschen Geist

(NS-Tageszeitung „Völkischer Beobachter“)

 Die Deutsche Studentenschaft (Hauptamt für Presse und Propaganda) veranstaltet vom 12. April bis 10. Mai 1933 einen Aufklärungsfeldzug „Wider den undeutschen Geist“. Der jüdische Geist, wie er sich in der Welthetze in seiner ganzen Hemmungslosigkeit offenbart und wie er bereits im deutschen Schrifttum seinen Niederschlag gefunden hat, muß ebenso wie der gesamte Liberalismus ausgemerzt werden. Die deutschen Studenten wollen aber nicht allein leeren Protest erheben, sie wollen bewußte Besinnung auf die volkseigenen Werte.

An allen Hochschulorten wird am 10. Mai 1933 das zersetzende Schrifttum den Flammen überantwortet. Die öffentliche Bekanntgabe von Sammelstellen, die sich an allen größeren Orten befinden, wird zu Beginn der Sammlung erfolgen.

aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 1063

Zur Langfassung

 

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Erlass Preußisches Wissenschaftsministerium

Walk, Sonderrecht, 14,1

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordinaton: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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