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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

                Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Archiv

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung
Weitere Tagesmeldungen – Karikatur – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 16.4.1933

Deutsche Auferstehung, BMP Titelseite

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.
(Zum Lesen: Klicken Sie auf die Titelseite. Ein weiterer Klick zur Vergrößerungsoption)

 

Hinweis

Die Osterbotschaft gipfelt in dem Appell, die revolutionäre Entwicklung enden zu lassen und somit die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich möglichst viele Menschen am Aufbau des Staates beteiligen können.

 

Deutsche Auferstehung, BMP Titelseite (Textauszug)

Es ist kein Zufall, daß die großen Revolutionen, die einen bestimmenden Einfluß auf die Geschicke der Menschen geübt haben, in die Zeit des Frühlings fallen, wo die ganze Natur ein einziges grünendes Bild des Auferstehungsgedankens bietet. Es ist auch kein Zufall, daß so mancher Gedanke, der in der deutschen Märzrevolution des Jahres 1848 die Herzen ihrer Kämpfer erfüllte, in der Märzrevolution des Jahres 1933 seine kraftvolle Verwirklichung fand, daß die Ideen von einer vollen deutschen Reichsgewalt und Reichseinheit, denen in diesem langen Zeitraum so oft der Tod beschieden schien, ihre Auferstehung feiern konnten. Aus der Leichtigkeit, mit der der Unsegen der Partikularisierung, der Jahrhundert lang das Entstehen eines wirklichen deutschen Nationalstaates verhindert hat und Deutschland zu einem Spielball seiner feindlichen Nachbarn machte, förmlich über Nacht zum Verschwinden gebracht wurde, ersieht man, wie tief in Wahrheit im deutschen Volke dieser Gedanke der Volkseinheit eingepflanzt war.

Vor der Auferstehung aber liegt das Opfer. Und die Opfer, die das deutsche Volk bringen mußte, waren unermeßlich.

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Fortsetzung Deutsche Auferstehung, BMP Seite 2 (Textauszug)

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

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„Fritzische Rebellion“, BMP Seite 3

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Fritzische Rebellion, BMP Seite 3 (Textauszug)

Nach verschiedenen Erfolgen in der Provinz kommt Ernst Geyers Schauspiel „Fritzische Rebellion, Friedrich der Große“ nach Berlin. Friedrich Geyer, Arzt in Krummhübel, hat zweifellos Theaterblut. Er kennt die Erfordernisse der Szene. Sein Friedrich der Große hat in seinem theatralischen Schaffen schon Vorgänger, einen Michael Kohlhaas, einen problematischen Dichter Grabbe. Den großen König will er in seiner schicksalsbestimmten Entwicklung vom flötenspielenden, tändelnden Herrn von Rheinsberg, vom idealistische entzückten Weltbeglücker bis zum verbitterten, einsamen Philosophen von Sanssouci zeigen. Kein festverzahntes Schauspiel ist aber entstanden, sondern eine lose Folge von Szenen, die psychologische Höhepunkte in dem Königsleben schildern. Neben direkte Charakteristik schiebt sich indirekte, deren Träger zum Teil halb mystische Gestalten sind.

In diesem Rahmen (Rheinsberg, Schlachtfelder, Sanssouci) steht – immer wieder faszinierend durch die einzigartige Uebereinstimmung von dargestellter historischer Gestalt und Schauspieler – Otto Gebühr, sich steigernd, je mehr das Bild des Alten Fritz sich herauskristallisiert.

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Italien rüstet für 1936, BMP Seite 29

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

Zur historischen Orientierung

Die nationalsozialistischen Olympischen Spiele

Alle neuzeitlichen Olympischen Spiele liefen in einem nationalistisch konnotierten Umfeld ab. In der deutschen Bevölkerung war diese politische Dimension durch das Erlebnis des Ersten Weltkriegs und die traumatischen Nachwirkungen in den zwei Nachkriegsjahrzehnten um ein Mehrfaches bekräftigt worden. Diese Tendenz wurde bereits im Frühjahr und Sommer 1933 durch die starke parteipolitische und weltanschauliche Einflussnahme der Regierung Hitler-Papen-Hugenberg verstärkt.

Zur Langfassung

 

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Italien rüstet für 1936, BMP Seite 29 (Textauszug)

Als die italienische Olympia-Mannschaft aus Los Angeles zurückkehrte, wurde sie im ganzen Lande geehrt und selbstverständlich auch von Mussolini empfangen. Denn schließlich war sie doch mit ihrem zweiten Platz im Gesamtklassement der Nationen die beste europäische Vertretung gewesen. „Ihr habt eure Reifeprobe bestanden, jetzt gilt es, das Erreichte zu verteidigen. Vier Jahre liegen vor euch. Beginnt heute schon mit der Vorbereitung und nutzet die Zeit! Trachtet danach, in Berlin 1936 die Ersten zu sein!“ So die Worte des Duce.

Das große Ziel

Das mit dem ersten Platz wird aber wohl ein frommer Wunsch bleiben, denn so leicht ist es nun doch nicht, den Unterschied zwischen 247 Punkten und deren 68 aufzuholen, und Amerika wird ja auch nicht grade auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Aber den festen Willen hat man, wenigstens den zweiten Platz zu behaupten und noch einige erhebliche Punkte aufzuholen.

Berlin ist die nächste, die wichtigste Wendemarke für die Italiener in dem großen Wettlauf der Sportvölker der Welt.

Bei der bevorstehenden Arbeit kommt hier einer zielbewußten und gleichmäßig sich ausbreitenden Vorbereitung die Zentralisierung der italienischen Sportbewegung in den Händen der entsprechenden Staatsorgane sehr zugute.

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Oster-Hoffnung der Wirtschaft, BMP Seite 33

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Hinweis

Die Zeitungen bemühten sich, die Wirtschaftskonjunktur möglichst günstig darzustellen, obwohl diese sich keineswegs in allen  Bereichen positiv entwickelte.

 

Oster-Hoffnungen der Wirtschaft, BMP Seite 33 (Textauszug)

Freilich kann der notwendige soziale Umbau der Wirtschaft, den auch Reichsminister Göring in einer seiner letzten Reden ankündigte, nicht von heute auf morgen erfolgen. Nur allmählich kann sich eine Neu-Orientierung auswirken. Aber schon jetzt lassen sich zahlreiche Keime einer besseren Wirtschaftslage erkennen. Wir wollen hier kurz die Vorgänge in einzelnen Zweigen streifen, die einen gesunden Optimismus berechtigt erscheinen lassen. […]

Es ist daher nicht unbegründet, wenn sich auch an der Börse eine Welle des Optimismus beobachten läßt. Das Publikum kauft wieder Aktien, nachdem in den dunkelsten Krisenjahren kein Mensch mehr etwas vom Wertpapier-Besitz wissen wollte. Die Kurssteigerung an den Aktienmärkten zeigen, daß die deutsche Wirtschaft trotz aller Schwierigkeiten die Flinte nicht ins Korn geworfen hat.

Die gleiche Vertrauenswelle hat auch den Wert von Anleihen und Pfandbriefen wieder in die Höhe getragen. Reichregierung und Reichsbank haben wiederholt ihren festen Willen bekundet, die deutsche Reichsmark stabil zu halten. Dr. Schacht hat erst kürzlich wieder betont, daß die Währung keinerlei Experimenten unterworfen wird.

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Pressestimmen

Neue Zürcher Zeitung – „Pressefreiheit“

Im Wirbel der Ereignisse, die seit der nationalsozialistischen Machtergreifung in atemraubendem Tempo in Deutschland einander folgen, ist der Untergang der Pressefreiheit fast unbemerkt geblieben. Das deutsche Publikum scheint ihn als einen natürlichen Vorgang gewertet zu haben im umfassenden Prozeß der Gleichschaltung; die Betroffenen selbst wenden sich vom Verlust ab und begrüßen die neue Mission, die der Presse im Dritten Reich zufallen soll. Selbst eine wissenschaftliche Anhandlung ist nicht ausgeblieben, die die Pressefreiheit als etwas Ueberlebtes darstellt. Nur ganz wenigen ist es bewußt geblieben, daß mit der Ausschaltung der Pressefreiheit der empfindlichste Punkt im öffentlichen Leben gebildeter Nationen berührt wird. […]

Demokratische Staatseinrichtungen und Pressefreiheit gehören ihrer innern Natur nach zusammen. Fällt der Herzog, so muß der Mantel nach: Versagt die Demokratie als Staatsform, so hat auch die Pressefreiheit ihr Existenzrecht verwirkt. So konnte denn auch im Dritten Reich der Herrschaft des Nationalsozialismus für die Pressefreiheit tatsächlich kein Platz mehr sein. Dieses Dritte Reich entspricht aber dem Willen der Mehrheit des deutschen Volkes, das die Demokratie nicht länger als taugliche Staatsform betrachtet.

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Zur historischen Orientierung

Die Satirezeitschrift „Simplicissimus“

Der Simplicissimus war nach dem Kladderadatsch die traditionsreichste Satirezeitschrift im Deutschen Reich. In der Ausgabe vom 16. April 1933 veröffentlichte die Redaktion faktisch eine Kapitulationserklärung und signalisierte den Machthabern so, von nun an dem Nationalsozialismus „und seinen großen Zielen im Inneren wie nach außen auf seine Art zu dienen“. Da die Redaktion des Simplicissimus zu dieser deutschlandweit wohl einzigartigen Geste der Unterwerfung bereit war, konnte die Zeitschrift bis 1944 weiter erscheinen. Gleichzeitig aber besiegelte diese Erklärung den Niedergang der Zeitschrift.

Zur Langfassung

 

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Erklärung des „Simplicissimus“

Simpl 16.4.1933, 2

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Simplicissimus“-Ausgabe vom 5.3.1933 zur Reichstagswahl

Simpl 5.3.1933Quelle: AKiP

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Simplicissimus“  v. 5.3.1933„Greuel-Phantasie“

 

Simpl 16.4.1933, 11

Quelle: AKiP

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Weitere Tagesmeldungen

Studt, Reich, 17

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Eine Führerkonferenz der NSDAP auf dem Obersalzberg beschließt die gewaltsame Übernahme der freien Gewerkschaften. Die Leitung dieser auf den 2. Mai angesetzten Aktion hat NSDAP-Reichsorganisationsleiter Robert Ley.

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Auf Initiative der KPD wird in Paris das Weltkomitee für die Opfer des Hitlerfaschismus gegründet.

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Die in München erscheinende satirische Zeitschrift „Simplicissimus“ vollzieht die Gleichschaltung.

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John Heartfield flieht während der Ostertage nach Prag. Der Graphiker ist berühmt für seine Fotomontagen und -collagen u.a. für die Titelseiten der Arbeiter Illustrierte Zeitung (AIZ).

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Dokumente

Brief von Paul Scheffer an seinen Vorgänger als Chefredakteur beim Berliner Tageblatt, Theodor Wolff

AKiP_SchefferBriefTW-S1-TW-NL-18

Quelle: AKiP

Zur Langfassung

 

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordinaton: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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