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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

                Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Archiv

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung
Weitere Tagesmeldungen – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 22.4.1933

BMP_22.4.33_Titel

Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.
(Zum Lesen: Klicken Sie auf die Titelseite. Ein weiterer Klick zur Vergrößerungsoption)

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„Schutzhäftlinge in Preußen“ und „Kommissar bei den Deutschen Werken“, BMP Seite 3

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 Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Hinweis

Auf der Kieler Großwerft „Deutsche Werke AG“, einem für den U-Boot- und Torpedo-Bau wichtigen Staatsbetrieb, übernahmen die Nationalsozialisten die Leitung, indem sie auch hier einen „Kommissar“ einsetzten.

 

Kommissar bei den Deutschen Werken, BMP Seite 3 (Transkript)

Bei den Deutschen Werken in Kiel ist bis zur endgültigen Entscheidung des Oberpräsidenten Bohse, der zur Zeit nicht in Kiel ist, der Leiter des Versorgungsamts bei den Deutschen Werken, Schäfer, der seit längerem in dem Betrieb tätig ist, zum Kommissar eingesetzt worden.

Die N.S.B.O. erklärt diese Maßnahme damit, daß von Marxisten und Kommunisten Sabotageakte in den Werken geplant gewesen seien; staatsfeindliche Elemente hätten einen bis ins Einzelne erdachten Plan entworfen, um den gesamten Betrieb stillzulegen oder zu zerstören. Die Mehrzahl der Arbeiter habe marxistischen Organisationen angehört. Am Tage des Geburtstages des Reichskanzlers seien noch zehn nationalsozialistische Arbeiter ohne triftigen Grund entlassen worden. Die N.S.B.O. habe entschlossen durchgegriffen und die Ruhe auf den Deutschen Werken wiederhergestellt. Es handle sich hier nicht um eine der scharf untersagten Einzelaktionen.

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Hinweis

Mit der Meldung über auch in Preußen bevorstehende Entlassungen aus Schutzhaft-Lagern will die Koalitionsregierung den Eindruck erwecken, die Fälle würden juristisch korrekt untersucht.

 

Die Schutzhäftlinge in Preußen, BMP Seite 3 (Transkript)

Im Gegensatz zu Bayern, Württemberg, Baden und anderen Ländern sind bisher, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger erfährt, in Preußen keine Entlassungen von Schutzhäftlingen erfolgt. Die Gesamtzahl der in Preußen in Schutzhaft genommenen Personen beträgt, wie berichtet, etwa100 000. Es sind aber auch in Preußen Nachprüfungen der einzelnen Fälle eingeleitet, so daß demnächst die Entscheidung über Entlassungen erfolgen wird.

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Weitere Tagesmeldungen

Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Schwerin, Walter Granzow (NSDAP), ernennt den Kirchenrechtler Walter Bohm aus Hamburg zum Staatskommissar für die evangelisch-lutherische Landeskirche. Auf Einspruch der Kirchenbehörden wird die Staatsaufsicht am 25. April revidiert.

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Die Kampfaktion »Wider den undeutschen Geist« beschlagnahmt in der Kieler Universitätsbibliothek Veröffentlichungen jener Dozenten, die als undeutsch gelten. Darunter sind Werke von Arnold und Stefan Zweig, Jakob Wassermann, Erich Kästner, Lion Feuchtwanger, Kurt Tucholsky und Thomas Mann.

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Studt, Reich, 17

 

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Dokumente

Reisedokument mit „J“- Kennzeichnung des Sozialwissenschaftlers Ernst Fraenkel (1898 – 1975) vom 10.11.1938, Autor des Buches „Der Doppelstaat. Recht und Justiz im Dritten Reich“. Siehe auch die Dokumentation der „Arierparagraphen“.

SösemannLange, Propaganda, Nr. 965_J-Kennzeichnung (10.11.1938)Quelle: SösemannLange-Propaganda-Nr.-965

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Faschingsumzug Singen/Hohentwiel im Februar 1939 „Der Judenfresser“

SösemannLange, Propaganda, Nr. 967_Faschingsumzug (Feb. 1939)Quelle: SösemannLange-Propaganda-Nr.-967SösemannLange-Propaganda-Nr.-967

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Presseanweisung: Verwendung der Wörter „antisemitisch“ und „Antisemitismus“ (22.8.1935)
Das Propagandaministerium bittet, in der Judenfrage das Wort: antisemitisch oder Antisemitismus zu vermeiden, weil die deutsche Politik sich nur gegen die Juden, nicht aber gegen die Semiten schlechthin richtete. Es soll statt dessen das Wort: antijüdisch gebraucht werden. […]
aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 280

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Reichsbürgergesetz (15.9.1935)
§ 2

(1) Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, daß er gewillt und geeignet ist, in Treue dem Deutschen Volk und Reich zu dienen.

(2) Das Reichsbürgerrecht wird durch Verleihung des Reichsbürgerbriefes erworben.

(3) Der Reichsbürger ist der alleinige Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze.
aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 287 (gekürzt).

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Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (15.9.1935)

Präambel
Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist, und beseelt von dem unbeugsamen Willen, die deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird: (…)

Zur Langfassung
aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 288

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Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz (14.11.1935) (Auszug)
(…)
§ 5
(1) Jude ist, wer von mindestens drei der Rasse nach volljüdischen Großeltern abstammt. § 2 Abs. 2 Satz 2 findet Anwendung.

(2) Als Jude gilt auch der von zwei volljüdischen Großeltern abstammende staatsangehörige jüdische Mischling,

a) der beim Erlaß des Gesetzes der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat oder danach in sie aufgenommen wird,

b) der beim Erlaß des Gesetzes mit einem Juden verheiratet war oder sich danach mit einem solchen verheiratet,

c) der aus einer Ehe mit einem Juden im Sinne des Absatzes 1 stammt, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. September 1935 (Reichsgesetzbl. I. S. 1146) geschlossen ist,

d) der aus dem außerehelichen Verkehr mit einem Juden im Sinne des Absatzes 1 stammt und nach dem 31. Juli 1936 außerehelich geboren wird.
(…)
Hitler, Frick, Heß

Zur Langfassung

 

aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 304

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Erste Verordnung zur Ausführung des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre (14.11.1935) (Auszug)
(….)
§3
(1) Staatsangehörige jüdische Mischlinge mit zwei volljüdischen Großeltern bedürfen zur Eheschließung mit Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes oder mit staatsangehörigen jüdischen Mischlingen, die nur einen volljüdischen Großelternteil haben, der Genehmigung des Reichministers des Innern und des Stellvertreters des Führers oder der von ihnen bestimmten Stelle.

(2) Bei der Entscheidung sind insbesondere zu berücksichtigen die körperlichen, seelischen und charakterlichen Eigenschaften des Antragstellers, die Dauer der Ansässigkeit seiner Familie in Deutschland, seine oder seines Vaters Teilnahme am Weltkrieg und seine sonstige Familiengeschichte.

(3) Der Antrag auf Genehmigung ist bei der höheren Verwaltungsbehörde zu stellen, in deren Bezirk der Antragsteller seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt hat.

(4) Das Verfahren regelt der Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers.
(…)
§ 12
(1) Ein Haushalt ist jüdisch (§ 3 des Gesetzes), wenn ein jüdischer Mann Haushaltungsvorstand ist oder der Hausgemeinschaft angehört.

(2) Im Haushalt beschäftigt ist, wer im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses in die Hausgemeinschaft aufgenommen ist, oder wer mit alltäglichen Haushaltsarbeiten oder anderen alltäglichen, mit dem Haushalt in Verbindung stehenden Arbeiten beschäftigt ist.

(3) Weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, die beim Erlaß des Gesetzes in einem jüdischen Haushalt beschäftigt waren, können in diesem Haushalt in ihrem bisherigen Arbeitsverhältnis bleiben, wenn sie bis zum 31. Dezember 1935 das 35. Lebensjahr vollendet haben.

(4) Fremde Staatsangehörige, die weder ihren Wohnsitz noch ihren dauernden Aufenthalt im Inlande haben, fallen nicht unter diese Vorschrift.
(…)
Hitler, Frick, Heß, Gürtner

Zur Langfassung

 

aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 305.

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordinaton: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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