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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

               Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Archiv

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung
Weitere Tagesmeldungen – Tagebuch – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 26.4.1933

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.
(Zum Lesen: Klicken Sie auf die Titelseite. Ein weiterer Klick zur Vergrößerungsoption)

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„Die 12 Thesen der Studenten“ und „Bücher auf den Scheiterhaufen“, BMP Seite 3

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Hinweis

Der Bericht über die universitäre Auseinandersetzung wird in ungewöhnlicher Ausführlichkeit behandelt, so dass nicht nur die antisemitischen Positionen erwähnt werden.

 

Die 12 Thesen der Studenten, BMP Seite 3 (Textauszug)

Der Rektor der Universität Berlin, Professor Kohlrausch, veröffentlicht zu der Meldung über einen Konflikt zwischen ihm und der deutschen Studentenschaft eine Erklärung, in der es heißt:

Als am vergangenen Freitag die Vertreter der Studentenschaft beantragten, das Plakat im Bestibül der Universität aufzuhängen, habe ich den Aushang wegen zweier Sätze beanstandet. Einmal wegen These 5:

„Schreibt der Jude deutsch, dann lügt er.“ […]

„Der Jude kann nur jüdisch denken.“

Sodann wegen der These 7:

„Wir fordern von der Zensur: jüdische Werke erscheinen in hebräischer Sprache. Erscheinen sie in deutsch, sind sie als Uebersetzung zu kennzeichnen.“

Ich nannte diese Sätze Uebertreibungen, die nur geeignet seien, den Kampf gegen den undeutschen Geist zu diskreditieren, nicht aber zu fördern. Sie seien überdies (wenn auch, wie mir versichert wurde, ungewollte) Bezeugungen der Verachtung gegen Mitmenschen, die man bekämpfen, aber nicht diffamieren dürfe und sie stünden somit in Widerspruch zu der These:

„Wir wollen den Juden als Fremdling achten.“

[…]

Zu diesen Aeußerungen des Rektors veröffentlicht die Deutsche Studentenschaft eine Gegenerklärung, in der sie sagt:

„Unser Gegner ist der undeutsche Geist. […] Die Stellung der Deutschen Studentenschaft zur Judenfrage ergibt sich einwandfrei aus dem Satz 7 des Aufrufs: „Wir wollen den Juden als Fremdling achten und wir wollen das Volkstum ernst nehmen.“ Wir wenden uns nur dann gegen das Judentum, wenn es Anspruch darauf erhebt, uns innerhalb des Bereiches des deutschen Geistes und damit in Rasse und Volkstum zu bevormunden.

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„Bücher auf den Scheiterhaufen“, BMP Seite 3 (Transkript)

Der Aufgabenkreis des Ausschusses, der für die Säuberung der Berliner Stadtbibliothek von marxistischem Schrifttum eingesetzt wurde, ist auf sämtliche Berliner Stadt- und Volksbüchereien erweitert worden. Der Ausschuß hat den Bezirken und ihren Büchereien eine Anzahl von Listen zugehen lassen, in denen die „volksfremde und marxistische Literatur“ genannt ist, auf deren Ausmerzung es ankäme; weiter wurden Listen über die wichtigsten Bücher fertiggestellt, die für die Auffüllung der im Bestandsaufbau entstandenen Lücken am geeignetsten sein sollen.

Ein Teil der aus den Büchereien ausgeschiedenen Bücher soll zusammengetragen und öffentlich verbrannt werden. Der Termin wird später bekanntgegeben.

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Wichtige Verbandsbeschlüsse, BMP Seite 7

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 Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Wichtige Verbandsbeschlüsse, BMP Seite 7  (Textauszug)

Der Deutsche Kegler-Bund hat die Einführung des Arierparagraphen beschlossen. Die Landesverbände führen die Bezeichnung Gaue. Der bisherige Vorsitzende P. Schluck wurde zum kommissarischen Führer ernannt.

Sämtliche Persönlichkeiten, die an leitenden Stellen im Berufs-Radrennsport des Bundes Deutscher Radfahrer tätig sind, müssen deutschstämmig und im Besitze einer vom B.D.R. ausgestellten Lizenz sein.

[…]

In der Sächsischen Turnerschaft soll der Spielbetrieb zugunsten des Wehrsports erheblich eingeschränkt werden. Jeder Verein muß am 30. April mit dem Wehrsport beginnen. Mitgliedern, die sich nicht voll und ganz hinter die nationale Regierung stellen, ist der Austritt aus den Vereinen nahezulegen.

Der Deutsche Touring-Club hat sämtliche Ortsgruppen aufgefordert, am 1. Mai ihre Fahrzeuge für die Durchführung der nationalen Feierlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Vom 3. bis 5. Juni wird eine „Grenzlandfahrt“ ins Saargebiet durchgeführt werden.

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Pressestimmen

Freiburger Zeitung – Das Zeitungsgewerbe am 1. Mai

Der Reichsarbeitsminister hat die Sozialministerin der Länder einen Erlaß gerichtet, in dem es u. a. heißt:

Durch das Gesetz über die Einführung eines Feiertages der nationalen Arbeit ist der 1. Mai zum Feiertag bestimmt worden. Die Berichterstattung über die von der Reichsregierung vorgesehenen Feiern des Tages der nationalen Arbeit wird es erforderlich machen, daß in den Zeitungsdruckereien schon am Abend des 1. Mai mit der Arbeit begonnen werden darf. Entsprechend einer Anregung des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda ist Vorsorge zu treffen, daß die Beschäftigung von Arbeitnehmern in den Zeitungsdruckereien in dem Umfang zugelassen wird, wie es für die rechtzeitige Herstellung der Morgenausgaben des 2. Mai notwendig ist. Im allgemeinen dürfte die Zulassung der Beschäftigung von 6 Uhr abends an genügen.

Der Vertrieb und der Verkauf von Zeitungen soll nach den Wünschen des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda am 1. Mai 1933 während des ganzen Tages zulässig sein.

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Weitere Tagesmeldungen

Studt, Reich, 17f._aStudt, Reich, 17f._b——–

Horkenbach, Reich, 185

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In Berlin entsteht ein Geheimes Staatspolizeiamt für Preußen.

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Die Glaubensbewegung Deutscher Christen gibt die Berufung von Wehrkreispfarrer Ludwig Müller zum Vertrauensmann des Reichskanzlers in Fragen der evangelischen Kirche bekannt.

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Auf einer Reichskonferenz in Berlin wählen die Vertreter der SPD-Bezirke einen Parteivorstand unter Führung von Otto Wels und Hans Vogel.

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Der Stadtrat von München, der „Hauptstadt der Bewegung“, verleiht Adolf Hitler und Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp die Ehrenbürgerwürde. Die Brienner Straße heißt zwischen Odeon- und Königsplatz nun Adolf-Hitler-Straße.

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Dokumente

„Wider den deutschen Geist“ – 12 Thesen der deutschen Studentenschaft

 

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Quelle: AKiP

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Rades, Reichshauptstadt, 292

aus: Rades-Reichshauptstadt-292

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

 

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordinaton: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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