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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Übersicht historische Orientierungen

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung
Weitere Tagesmeldungen – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 19.11.1933

Luther-Tag, Berliner Morgenpost Titelseite und Seite 2

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

Hinweis

Nicht nur die „Deutschen Christen“ vereinnahmten den Reformator für ihre „völkischen“ Ziele, sondern auch Teile der deutschen Geschichtswissenschaft interpretierten sogar auf internationalen Kongressen Luthers Denken im nationalsozialistischen Sinn.

 

Luther-Tag, BMP Titel und Seite 2 (Textauszug)

Der 10. November, da Martin Luther vor viereinhalb Jahrhunderten zu Eisleben geboren wurde, war der eigentliche Luther-Tag. Deutschland hat seine Gedenkfeier auf den 19. November verlegt. Es kommt auf den Tag nicht an; dieses ganze Jahr ist, zum mindesten für den deutschen Protestanten und für die evangelische Kirche in aller Welt, ein Luther-Jahr.

[…] Der Gedanke liegt nahe, und die nicht-lutherische Kritik an der modernen Kultur setzt an diesem Punkte ein, daß die Befreiung der menschlichen Seele am Ende doch, ob gewollt oder ungewollt, zu all den zersetzenden Strömungen geführt habe, unter denen die moderne Zeit gelitten hat und teilweise noch leidet. Wer wollte grade heute die Gefahr einer mißverstandenen Freiheit leugnen! Der Staat bedeutete für Luther die Ordnung Gottes, in der allein die sündige Welt ein halbwegs würdiges Leben führen kann. Im Dienste der Gerechtigkeit darf und soll der Staat auch mit dem Schwerte die Ordnung schützen und den Guten gegen den Bösen verteidigen. Der Christenmensch ist frei im Glauben, in seinem weltlichen Wirken aber soll er ein demütiger Diener des Ganzen sein. Auch der bescheidenste Beruf wird in solchem Sinne Gottesdienst. Unnötig, zu sagen, wie lebendig grade solche Luther-Gedanken seit den jüngsten Tagen wieder im deutschen Menschen leben und wirksam sind.

Wenn einer ein deutscher Mensch war, so Martin Luther.

[…] „Für meine Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen.“ Einen Dienst von nie zu ermessender Größe hat Luther Deutschland für alle Zeiten geleistet: er hat uns unsere Sprache, die hochdeutsche Einheitssprache geschenkt.

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Fortsetzung Luther-Tag, BMP Seite 2

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

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„Gegen die Vereinsmeierei“ und „N.d.A“, BMP Seite 3

+BMP_19.11.1933_S.3

Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Gegen die Vereinsmeierei, BMP Seite 3 (Textauszug)

„Unter dem Eindruck der in letzter Zeit gefeierten Feste und Erinnerungstage hat sich eine Reihe von Bünden neu aufgetan und zusammengeschlossen, andere überhaupt erst gebildet. Es bestehen an sich schon immer noch viel zu viel Vereine. Die Bildung neuer ist ein grober Unfug.

Es ist jetzt endlich einmal an der Zeit, mit den rückschauenden Betrachtungen abzuschließen und den Blick ausschließlich nach vorwärts zu richten.

[…] Ich bin nicht gewillt, diesem Treiben, das bei weiterer Duldung eine Kräftezersplitterung und eine Schwächung der einzigen Kampffront herbeiführen könnte, weiterhin ruhig zuzusehen. Ich beauftrage die Sonderbevollmächtigten oder Sonderbeauftragten des Obersten SA-Führers im Rahmen ihrer Zuständigkeit dieser Vereinsmeierei ein Ende zu bereiten.

Ich verbiete den Führern und Männern der SA, SS und der SAR die Zugehörigkeit (Führerschaft, Ehrenführerschaft, Präsidentschaft usw.) zu den jetzt neu hervorgesprossenen Bünden und Vereinen. Gegen die Mitgliedschaft bei den traditionellen Waffen- und Regimentsvereinen will ich vorerst keinen Einwand erheben.

Wer Deutschlands Größe will, darf nicht zurückschauen und träumen, sondern muß vorwärtsblicken und kämpfen.“

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„N. d. A.“, BMP Seite 3 (Textauszug)

In einer Sitzung des Kleinen Konvents der Deutschen Arbeitsfront teilte Dr. Ley mit, daß ein großes Feierabendwerk der Deutschen Arbeitsfront geplant sei. Das Tempo der modernen Industrie erfordere völlige Entspannung in der Freizeit. Ein Volk, das seine Nerven verliere, sei für den Untergang reif.

Man hätte bisher wohl den Alltag organisiert, aber an eine umfassende Organisation des Feierabends habe noch niemand gedacht. Was die Arbeitsfront wolle, sei kein Zwang, kein Studium etwa in der alten schulmeisterlichen Art mit Lehrtätigkeit usw. Es solle jeder Gelegenheit bekommen, freiwillig hinzugehen, wohin er wolle. Dort müsse dem Volk das Beste geboten werden, was es auf allen Gebieten der Kunst, des Sportes und der Unterhaltung gebe.

Die Deutsche Arbeitsfront werde das organisieren und die Freizeit neu ordnen in diesem großen Werke „Nach der Arbeit“, abgekürzt NdA. Alle Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront gehören dieser NdA automatisch an. Es werden auch keine besonderen Beiträge erhoben. Statt der früheren Streikfonds werde die Deutsche Arbeitsfront jetzt Fonds für die NdA sammeln.

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Pressestimmen

Simplicissimus vom 19.11.1933 – Deutsche Stimmen.VIII

Simpl 19.11.1933_LutherQuelle: AKiP

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Simplicissimus vom 19.11.1933 – Französische Stimmen zur deutschen Volksabstimmung

Simpl 19.11.1933

Quelle: AKiP

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Kladderadatsch vom 19.11.1933 – „Peinliche Feststellung“

Kladd 19.11.1933

Quelle: AKiP

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Weitere Tagesmeldungen

Horkenbach, Reich, 573_a

Horkenbach, Reich, 573_b

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Rund 3000 Mitglieder des Pfarrernotbundes wenden sich in einer Kanzelverkündigung gegen die „Sportpalast-Erklärung“ der Deutschen Christen vom 13. November.

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In Braunschweig findet der erste Tag des Deutschen Handels mit Veranstaltungen und Umzügen statt. Er wird veranstaltet vom Reichsstand des deutschen Handels und der Nationalsozialistischen Handels- und Gewerbeorganisation.

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Dokumente

Schulaufsatz: „Luther und Hitler – Ein Vergleich“  (20.11.1933) in Sütterlin Schreibschrift

Luther und Hitler

aus: SösemannLange-Propaganda-Nr.-1169

 

Schulaufsatz: „Luther und Hitler – Ein Vergleich“  (20.11.1933) in Sütterlin Schreibschrift

Luther und Hitler sind zwei Männer, von denen das deutsche Volk noch nach Jahrhunderten mit Ehrfurcht spricht. Unser großer Reformator wurde am Ausgang des Mittelalter im thüringischen Lande, in dem Städtlein Eisleben geboren. Beide haben vieles gemeinsam. Luther sagt von sich selbst: „Mein Vater, Großvater und Ahnherr sind rechte Bauern gewesen.“ Auch Adolf Hitler stammt aus bäuerlichem Geschlecht. Also mitten aus dem Volke heraus erstanden sie dem Volke. Darum sind sie fest mit ihrer deutschen Heimat verwurzelt. Jedoch auch ihnen blieb der Kampf ums Dasein nicht erspart. Hitler sowohl wie Luther standen noch schwere Kämpfe bevor. Schon als junger Mann verlor Hitler seine Eltern. Trostlos schaute er in die Zukunft. Es kam der Weltkrieg. Während Hitler gaserblindet im Spital, zu Pasewalk lag, mußte er hören, wie man gegen die Armee redete, und die Juden schon ganze Arbeit gemacht hatten. Die Hoffnungslosigkeit schlug ihn vollends nieder. Um diese Zeit war es Hitler zumute, als müsse er hervorspringen, und den deutschen Arbeiter vertreten. Es ist ihm, als ob seine Stunde geschlagen hätte. Mit 30 Jahren erkennt Hitler sein Ziel. „Wenn Gott einem Volke helfen will, so hilft er es [!] nicht durch Worte und Bücher, sondern durch einen Mann, der im Volke emporgewachsen ist.“ Luther und Hitler sind zwei Männer, von denen die deutsche Geschichte jedes Jahrhundert nur einen aufweisen kann. Unser Reformator hatte nicht wenigeres zu bestehen. Was hatte er nicht alles im Kloster erleben müssen! Nur mit dem einen Gedanken beschäftigte er sich Tag und Nacht: „Wie werde ich selig?“ Auch im Kloster erlangte er seiner Seelen Seligkeit nicht. Darum faßte er sich ein Ziel und dieses Ziel hielt er fest, nämlich: der Neubau der Kirche. Beide hatten eine Welt von Feinden. Sie wurden verfolgt und geächtet, verhöhnt und verspottet. Je mehr man sie aber verfolgte, desto mehr Anhänger bekamen sie. „Und wenn die Welt voll Teufel wär,“ singt Luther in seinem: „Ein feste Burg ist unser Gott.“ Hierdrin kennzeichnet sich der Mut und die Treue Luthers. Furchtlos und beharrlich hielten beide an ihrem Ziele, fest [gestrichen] durch Not und Gefahren hindurch, fest. Luther rechtfertigt sich auf dem Reichstage zu Worms: vor Kaiser und Reich, vor Papst und Kirche. Welch großes Unternehmen! Auch Adolf Hitler fürchtete sich vor Regierung und Festungshaft nicht. Er setzte sein Ziel durch bis zum siegreichen Ende. Was Hitler sich bis jetzt vorgenommen hatt ist ihm gelungen. Es wird ihm auch weiterhin gelingen. Die Weltanschauung Adolf Hitlers führt dahin, daß er eine große Volksgemeinschaft gründen will. Mit Hitler [gestrichen] Luther brach [gestrichen] endete die Zeit des Mittelalters und an ihr setzt sich die Neuzeit. Mit Hitler bricht die alte Weltanschauung, und mit ihm ersteht das dritte Reich. Unser Führer kämpft nicht für sich und seine Ehre, sondern für das deutsche Volk und dessen Ehre.

Inhalt: 1 Schrift: 2 1/12. F.

aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 1168.

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordination: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung, Inhalt und Kommentare: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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