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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Übersicht historische Orientierungen

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung
Weitere Tagesmeldungen – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 29.12.1933

Nur 15 000 Studenten neu zugelassen, BMP Titel und Seite 2

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Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Nur 15 000 Studenten neu zugelassen, BMP Titel (Textauszug)

Der Reichsinnenminister hat gestern eine Anordnung erlassen, die einen vollkommenen Umbau des gesamten Universitätsstudiums und zugleich eine einschneidende Maßnahme für viele Abiturienten bedeutet.

[…] Die Hochschulreife soll nur denjenigen Abiturienten zugesprochen werden, die geeignet erscheinen, den besonderen durch die Hochschule gestellten Anforderungen nach ihrer geistigen und körperlichen Reife, nach ihrem Charakterwert und ihrer nationalen Zuverlässigkeit zu genügen.

 

[…] „Es müssen gesetzliche Maßnahmen getroffen werden, um den Schulaufbau und die Schullaufbahnen in ein geordnetes Verhältnis zur Arbeitswelt des Volkes zu setzen und dadurch auch die unter dem Ueberandrang stark beeinträchtigte Leistungsfähigkeit unserer Schulen und Hochschulen wieder herzustellen.

Zur Fortsetzung auf Seite 2

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Amt für öffentliche Buchwerbung, BMP Seite 3

+BMP_29.12.1933_S.3

Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Hinweis

Ohne die geringste kommentierende Anmerkung kam der BMP-Bericht über die „Neuordnung“ aus, die zum Ziel hatte, auch das Bibliothekswesen jenen weltanschaulichen Vorgaben des NS-Regimes strukturell, formal und inhaltlich vollständig anzupassen, die bei den Bücherverbrennungen öffentlich verkündet worden waren.

 

Neuordnung des Büchereiwesens, BMP Seite 3 (Transkript)

Der Preußische Kultusminister hat eine Neuordnung des volkstümlichen Büchereiwesens in Preußen vorgenommen. Es wird eine Preußische Landesstelle für volkstümliches Büchereiwesen geschaffen. Die Preußische Landesstelle ist die alleinige Vertretung der Volksbüchereien in Preußen.

Der Erlaß des Preußischen Kultusministers gibt zum erstenmal eine ganz klare Definition des Begriffs „öffentliche Bücherei“: „Als öffentliche Büchereien sind lediglich die Büchereien anzusehen, die ihre Arbeit als eine öffentliche Funktion im Sinne der nationalsozialistischen Erneuerung der Gemeinschaft ansehen und in allen grundsätzlichen Schrifttumsfragen die öffentliche Aufsicht anerkennen.“

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Pressestimmen

Einschränkung des Hochschulstudiums in Deutschland, Neue Zürcher Zeitung vom 29.12.1933

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+NZZ 29.12.1933_b
Quelle: AKiP

 

Einschränkung des Hochschulstudiums in Deutschland, NZZ vom 29.10.1933 (Textauszug)

Der Reichsminister des Inneren, Frick, der die Begrenzungsziffer festgesetzt hat, leitet diese Maßnahme von dem bereits in Kraft stehenden „Gesetz gegen die Ueberfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ ab, aus dessen Begründung die folgenden Sätze von besonderem Interesse sind:

„Falsche Bildungsvorstellungen haben die Schule von ihrer Aufgabe, dem Volke zu dienen, entfernt und sie zum Selbstzweck für die reine Bildung der freien Einzelpersönlichkeit gemacht. Die Schulen und Hochschulen entsprechen in der Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten vielfach nicht mehr den Forderungen, die im Interesse einer gefunden Lebensordnung und Arbeitsgliederung des Volkes zu stellen sind. Sie lösen den Zusammenhang der natürlichen und geistigen Welt in eine Vielheit von Fächern auf, deren Lehrinhalt oft genug keine Beziehung zur Wirklichkeit des Lebens in Volk und Familie, Beruf und Stand und keine Bedeutung für die Aufgaben hat, die wir als Volk und Nation zu erfüllen haben. Die Volksschule, der als der Hauptschule des Volkes der erste Rang im Schulwesen gebührt und der die vornehmste Sorge der Nation zu gelten hätte, ist zugunsten der höheren Schulen und der Hochschule arg vernachlässigt. Der Zudrang zu den über die Volksschule hinausführenden Bildungsanstalten bis hinauf zur Hochschule hat einen Umfang angenommen, der außer jedem Verhältnis zu der wirtschaftlichen Kraft unseres Volkes und zu dem Bedarf der Berufswelt an höher vorgebildeten Kräften steht. Am schlimmsten wirkt sich diese Fehlentwicklungen bei den Abiturienten, Studenten und Jungakademikern aus.“

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Silvestergedanken, CV Zeitung vom 29.10.1933

+CV 29.12.1933

Quelle: AKiP

 

Silvestergedanken, CV Zeitung (Textauszug)

11 Monate voll Schicksal sind eine Ewigkeit im Leben des einzelnen; 11 Monate voll Schicksal sind eine kurze Spanne in der Geschichte einer Gemeinschaft. Die Führer Deutschlands, von der Sonne der Verwirklichung ihrer Träume umstrahlt, sprechen von großen Zeiträumen, innerhalb derer sich erst die volle Wirklichkeit abspielen könne, und daß man jetzt sich erst in den Anfängen bestände. Um vieles mehr gelten diese Forderungen an die Zähigkeit, an die Zuversicht, an das Vertrauen der Masse für unsere kleine jüdische Gemeinschaft. Unzählige Male verworrener und tragischer als das Schicksal des deutschen Volkes in seiner Zerstreutheit, Zersplitterung, seinem inneren Widerstreit, seinen Kampf zwischen Form und Inhalt zugleich, ist unser Weg gewesen. Wir gingen ihn durch die Zeiten, weil die tragende Idee als Richtfeuer unverrückbar wie der Polarstern vor uns stand: Judentum  wird ewig sein, wenn es in sich unverlierbar seinen Glauben umschließt und zugleich lebendig aufgeschlossen ist der Zeit und dem Raum, in die es hineingeführt ist. Es mag Zufall gewesen sein – wenn nicht gerade in solchen Fragen Zufall immer Fügung ist -, daß sich Juden der deutschen Erde vor grauen Zeiten zum ersten Male als ihrer Heimat bewußt wurden. Die Geschichte hat aus dieser Fügung Schicksal gemacht, und die Erscheinungsform unserer jüdischen Gemeinschaft, die diese Geschichte geprägt hat, ist deutsches Judentum. Die Menschen, die durch die Generationen Vererbung an Willen und Vorstellung in dieser Landschaft, dieser Luft erhalten, sind deutsche Juden geworden, unterschieden von den Juden irgendwo in der Welt durch ihr Deutschtum, unterschieden von den Menschen, um sie innerhalb Deutschlands Grenzen durch ihr Judentum; eine Gemeinschaft von Menschen, die das Gesetz, nach dem sie angetreten, erfüllen müssen, oder innerhalb der großen Ordnung des Staats- und Völkerlebens rechtlos vor sich selber sind.

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Jahresbilanz eines deutschen Juden, Jüdische Rundschau vom 29.12.1933

JR 29.12.1933

Quelle: AKiP

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Weitere Tagesmeldungen

In Bremen werden die Brüder Carl und Heinz Lahusen, die Leiter des 1931 zusammengebrochenen Nordwolle-Konzerns, wegen Konkursvergehens zu fünf Jahren Gefängnis und 50 000 Reichsmark Geldstrafe bzw. zu zwei Jahren und neun Monaten Gefängnis und 20 000 RM Geldstrafe verurteilt.

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Dokumente

Antisemitische Verordnungen 29.12.1933

Walk, Sonderrecht, 66_aWalk, Sonderrecht, 66_b

Walk, Sonderrecht, 66_c

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Presseanweisung vom 29.12.1933 über eine Nachrichtensperre zur Klage deutsche Spielwarenhersteller über unfaire japanische Konkurrenz.

Bohrmann, Presseanweisungen 1933, 271aus: Bohrmann, Presseanweisungen 1933, 271

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordination: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung, Inhalt und Kommentare: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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