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„JOURNALISMUS IN DER DIKTATUR“

Ein Projekt des Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.
im Themenjahr 2013 „Zerstörte Vielfalt“

Über das Projekt| Zum Leitmotiv | Übersicht historische Orientierungen

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Übersicht
Ausgewählte Artikel – Zur historischen Orientierung
Weitere Tagesmeldungen – Dokumente – Links

Ausgewählte Artikel Berliner Morgenpost vom 31.12.1933

BMP_31.12.1933, Titel

Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

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„Abschied von W.T.B. und T.U.“ und „Unterschlagung politischer Gelder“, BMP Seite 3

+BMP_31.12.1933, S.3

Quelle: Deutsches Pressemuseum im Ullsteinhaus e.V.

 

Hinweis

Die Berliner Morgenpost widmete der endgültigen Vernichtung selbstständiger Nachrichtenagenturen nur einen trockenen Bericht von lediglich einem Dutzend Zeilen und ohne ein einziges Wort, dem der Leser wenigstens die historische Bedeutung der beiden Agenturen hätte entnehmen können.

 

Abschied von W.T.B. und T.U., BMP Seite 3 (Transkript)

Mit dem 31. Dezember haben das Wolffsche Telegraphenbüro (bisher kurz WTB bezeichnet) und die Telegraphen-Union (dem Leser unter der Abkürzung TU bekannt) als selbstständige Nachrichtenbüros zu bestehen aufgehört. Die beiden großen Nachrichten-Agenturen schließen sich, wie seinerzeit berichtet, zu einem einzigen Büro zusammen, das die Bezeichnung Deutsches Nachrichtenbüro (DNB) führt. Das Wolffsche Telegraphenbüro war im Jahre 1849 gegründet worden, der Nachrichtendienst der Telegraphen-Union war jüngeren Datums.

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Unterschlagung politischer Gelder, BMP Seite 3 (Textauszug)

Im Saargebiet ist es zu einem großen politischen Skandal um den Marxisten- und Separatistenführer Max Braun, den Herausgeber des berüchtigten Sudelblattes „Deutsche Freiheit“ und der „Volksstimme“ gekommen, der auf das ganze Gefüge der saarländischen SPD übergegriffen hat.

Aus Kreisen der Sozialdemokratie des Saargebiets, die bisher hinter Max Braun standen, verlautete schon seit einigen Tagen, daß Braun in eine große Unterschlagungsangelegenheit verwickelt sei und seine Stellung nur zur persönlichen Bereicherung ausgenutzt habe. Es wurden schwere Anschuldigungen gegen Max Braun erhoben und seine sofortige Entfernung gefordert. Inzwischen sind diese Dinge auch in der Oeffentlichkeit bekannt geworden. Es bestätigt sich, daß Braun tatsächlich große Unterschlagungen zum Schaden seines Blattes „Volksstimme“ begangen hat.

[…] Am 11. Dezember kam es zu einer stürmischen Aufsichtsratssitzung seines Blattes in Saarbrücken, an der Braun nicht teilnahm und bei der Geschäftsführer Klopfer von der „Volksstimme“ dem Aufsichtsrat von den Unterschlagungen Brauns Kenntnis gab. Braun erfuhr davon und begab sich sofort nach Paris zum Büro des Internationalen Gewerkschaftsbundes, um die Angelegenheit zu ordnen. Als Klopfer davon erfuhr, reiste er Braun nach, um in Paris den Vertuschungsmanövern des Braun zu begegnen. Die Versuche, die Angelegenheit zu unterdrücken, waren jedoch vergeblich, da inzwischen weite Kreise davon erfahren hatten.

 

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Pressestimmen

Das Schrifftum Deutschlands 1933. Ein Rückblick, Neue Zürcher Zeitung vom 31.12.1933

+NZZ 31.12.1933_a

Quelle: AKiP

Zur Fortsetzung des Artikels

 

Das Schrifftum Deutschlands 1933. Ein Rückblick, Neue Zürcher Zeitung vom 31.12.1933

Nun hat im Jahre 1933 immerhin mit Plötzlichkeit ein Akt sich vollzogen, der in der Geschichte der neueren deutschen Literatur kein Analogon kennt und der freilich auf ganz andere Weise eine Schonzeit deutscher Geistlichkeit im Schild und im Programm führte: durch Ausschaltung des Judentums und jener Schriftsteller aus der deutschen Literatur, deren Gesinnung zersetzend gescholten wurde und es zweifellos in manchen Fällen war. Wie weit aber der Begriff der „Zersetzung“ aufgefaßt wurde, ist aller Welt in Erinnerung durch den Vorstoß Pfitzners gegen Thomas Mann und, wie Pfitzner sich höflich ausdrückte, gegen das „Sekundantengeschmeiß der “N.Z.Z.’“. Im Jahre 1933 sollte ein deutscher Dichter an Richard Wagners ewiger Größe nicht tippen, Gültiges und Vergängliches nicht schreiben dürfen. Es wäre ein Irrtum der außerdeutschen Welt, zu glauben, daß in Deutschland selbst dieses Schauspiel nicht von vielen als eine „Scham und ein Gelächter“ empfunden wurden.

Ernst wurde das Spiel, als in der Nacht vom 10.auf den 11. Mai in Berlin und andern Städten die Studenten einen Teil des aktuellen Schrifttums der letzten Jahre auf den Scheiterhaufen warfen. Mit einer Energie ohnegleichen ging den Scheiterhaufen parallel die Aktion der Austilgung des jüdischen Schrifttums deutschen Sprachausdruck. „Meyers Lexikon“ gibt im 15. Ergänzungsband einen Anhang „Nationale Revolution“, der die objektive Tradition des Lexikon merklich gefährdet. Wir setzen einen interessanten Passus her, wie der Ueberblick motiviert wird. Es gehört indie neue deutsche Situation, daß die Autorität in Dingen der Kunst und Dichtung nicht prominenten Persönlichkeiten der Kunst oder Literatur mehr, sondern nur den Ministern selbst zufällt und das Axiom, „daß die Muse zu begleiten, doch zu leiten nicht versteht“ seine seltsame Bestätigung findet: […].

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Simplicissimus, Nr. 40  Titelseite vom 31.12.1933

Simpl 31.12.1933_TitelQuelle: AKiP

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Brennessel vom 27.12.1933

Brennessel 27.12.1933

Quelle: AKiP

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Weitere Tagesmeldungen

Es gibt 5.052.607 Rundfunkteilnehmer und 3097 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 16,69 Mill Exemplaren; in der Buchproduktion hat es 18.289 Erst- und 3312 Neuauflagen gegeben. 135 Filme (1931: 200, 1932: 156) sind uraufgeführt worden. Im Querido-Verlag in Amsterdam erschienen oder gingen 1933 in den Druck: Heinrich Mann, ›Der Haß. Deutsche Zeitgeschichte‹, Lion Feuchtwanger, ›Die Geschwister Oppenheim‹, der Roman ›Der Kopflohn‹ von Anna Seghers, die Autobiographie ›Eine Jugend in Deutschland‹ von Ernst Toller, ›Das Ende der Illusionen‹ von Leopold Schwarzschild und die Romane ›Der verlorene Sohn‹ von Gustav Kegler und ›Tarabas‹ von Joseph Roth. Die von deutschen Emigranten im Ausland herausgegebene Presse und Broschüren- Literatur beträgt nach Schätzungen der deutschen Botschaft in Paris über 2,5 Mill Exemplare.

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Der ›Neue Vorwärts‹ erklärt: »Heute erscheint uns jene Zeit der Verfolgung durch Otto von Bismarck als geradezu noch liberal. Denn nicht nur keine Morde, keine Mißhandlungen und keine Konzentrationslager, sondern es blieben auch die sozialdemokratischen Abgeordneten im Schutze der Immunität … Es war infolgedessen innerhalb der gesetzlichen Grenzen auch eine gewisse Opposition und eine oppositionelle Presse möglich.«

1933 wurden 565 Personen wegen politischer Vergehen verurteilt, wegen Hochverrats 1689, aufgrund der Verordnung »Zum Schutze der Republik« 36, der Verordnung »Zum Schutze von Volk und Staat« 3133, wegen politischer Ausschreitungen 1128, aufgrund der Verordnung »Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Regierung« 3765 sowie aufgrund des »Gesetzes über Schußwaffen und Munition« 9765 Personen.

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Im Deutschen Reich beträgt die Arbeitslosenzahl 4 059 055 (Höchststand 31. Jan.: 6.013.612, Tiefststand 30. Nov.: 3.714.646). Am stärksten betroffen sind die ungelernten Arbeiter mit 22,2%, Arbeiter der Eisen- und Metallerzeugung mit 15,8%, Arbeiter des Baugewerbes mit 8,3% und kaufmännische und Büroangestellte mit 8,2%. 12.786 Personen sind 1933 offiziell ausgewandert. Die industrielle Produktion ist von 61,2% (1932) auf 69,0% (1928 = 100%) gestiegen. Wichtige Industriebereiche zahlten keine Dividende, so die Philipp Holzmann AG, die AEG (Verlust 20 Mill RM) und Krupp. Die bekannte Magdeburger Maschinenfabrik Buckau konnte dagegen 4% Dividende zahlen. Das Volkseinkommen hat sich 1933 – in jeweiligen Preisen – gegenüber 1932 leicht von 45,3 auf 46,514 Mrd RM erhöht (1913: 45,7 Mrd RM); pro Kopf der Bevölkerung waren dies 713 RM (1932: 875 und 1933 1162 RM). Das Einkommen der Arbeiter, Angestellten und Beamten stieg 1933 von 25.860 Mill RM (1932) auf 26.086 Mill RM; zum Vergleich: 1929 betrug es 44.466 Mill RM. Die Roheisenproduktion stieg auf 6.858.000 t (1932: 5.282.000 t), die von Rohstahl auf 9.288.100 t (1932: 7.233.500 t). Die Kfz-Produktion stieg 1933 von 95.872 (1932) auf 157.278 Einheiten, davon waren 92.610 (42.913) Pkw, 12.404 (8182) Lkw und 818 (142) Omnibusse. Für die Fahrzeugbeschaffung der Reichsbahn wurden 1933 113,5 Mill RM (1932: 70 Mill RM) aufgewendet; bestellt wurden u.a. 159 Dampflokomotiven, 9 Elektrolokomotiven, 585 Kleinlokomotiven, 370 Triebwagen, 419 Personen-, 183 Gepäck- und 1982 Güterwagen. Im Reich wurden insgesamt 178.038 Wohnungen (1932: 141.265) gebaut. Der Reichsarbeitsdienst erbrachte 68,6 Mill Tagewerke. Aus einheimischen Quellen (Kohle, Braunkohle und Öl) wurden 500.000 t Treibstoff hydriert; eingeführt wurden 1 Mill t.

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In einem Aufruf an die Reichswehr gibt Reichspräsident Paul von Hindenburg seiner Hoffnung Ausdruck, dass die Truppe als Hüterin des Staates „weiterhin in gehorsamer treuer Pflichterfüllung ihre Schuldigkeit“ tue.

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Der im Jahr 1868 gegründete, früher liberale „Berliner Börsen-Courier“ fusioniert wegen des erheblichen Auflagenrückgangs mit der „Berliner Börsen-Zeitung“. Am selben Tag stellt die seit 1640 erscheinende „Königsberger Hartungsche Zeitung“ ihr Erscheinen ein.

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Tagebucheintrag 31.12.1933

Victor Klemperer (1881 – 1967), Romanist

Klemperer,Tagebuch, 75Klemperer, Tagebuch, 76_aKlemperer, Tagebuch, 76_b

aus: Klemperer, Tagebuch, 75f.

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Dokumente

Antisemitische Verordnung zum 31.12.1933

Walk, Sonderrecht, 66

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Aufruf zu einem mit 50.000 Reichsmark dotierten Roman-Preisausschreiben des „Völkischen Beobachters“ Linthout, Buch, 310

 aus: Linthout, Buch, 310

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Bibliografie

Nachweis der Dokumentationen und Darstellungen sowie der Zeitschriften und Zeitungen

Lektüre-Empfehlungen

Links

Kontakt

Die Pressechronik 1933 – „Journalismus in der Diktatur“ ist ein Projekt des
Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus e.V.

Konzept und Projektkoordination: Holger Wettingfeld
Wissenschaftliche Beratung, Inhalt und Kommentare: Prof. Dr. Bernd Sösemann
Anfragen unter pressechronik@dpmu.de

Kooperationspartner

Prof. Dr. Bernd Sösemann

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