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PRESSECHRONIK  1933: „Journalismus in der Diktatur“

Zum Leitbild der Pressechronik 1933

 

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Das am 30. Januar 2013 hier präsentierte „illustrierende Leitmotiv“ wird die Pressechronik 1933 durch das ganze Jahr begleiten. Die vom Künstler Theo Matejko 1933 angefertigte Zeichnung lässt sich bislang zwar nicht auf den Tag genau datieren, doch findet sich die Jahreszahl deutlich erkennbar unter der Signatur des Pressezeichners. In der von Christian Ferber 1982 für den Ullstein Verlag zusammengestellten und herausgegebenen Dokumentation zur „Berliner Illustrirten Zeitung“ in den Jahrzehnten von 1892 bis 1945 heißt es in dem Abschnitt mit „Hinweisen“ (S. 398; das Dokument wird auf Seite 304 publiziert) lapidar: „Vision vom Untergang. Das zerschossene und geborstene Brandenburger Tor […]. Die Zeichnung blieb unveröffentlicht, das Original verschollen. Lediglich ein Foto hat die Nazizeit und Kriegswirren überstanden“. Ein Quellennachweis für diese Behauptungen fehlt.

 

Ein Beleg fehlt auch in dem reichlich bebilderten Ausstellungskatalog zum 100. Geburtstag des Künstlers. Sein Herausgeber Otto Weber, der ihn im Auftrag des Vereins für Heimatgeschichte e.V. Ober-Ramstadt vorgelegt hat (S. 58, Wiedergabe ohne genaue Herkunftsangabe), konnte zwar noch Zeitzeugen befragen, doch vermag er zur Entstehungsgeschichte der Zeichnung ebenfalls nichts Konkretes beizutragen. Seinen Kommentar im Katalog soll den Schluss nahelegen, dass Kurt Wolff, der Chefredakteur der „Berliner Illustrirten Zeitung“, eine Veröffentlichung in den USA ermöglicht habe. Als Wolff sich zur Emigration gesehen habe, hätten sich zwei Zeichnungen von Theo Matejko in seinem Gepäck befunden. Weber schweigt über die nächsten Schritte. Er beendet dann seine vagen, aber suggestiven Andeutungen mit dem Hinweis auf eine Veröffentlichung der Zeichnung von 1933 im US-Magazin „Life“ (S. 39).

Die kürzlich abgeschlossenen Bibliotheksrecherchen klärten die wichtigsten Umstände. Sie sind weniger geheimnisvoll als man nach den bisherigen Vermutungen annehmen durfte. Eine einzige der Aussagen von Otto Weber kann jetzt bestätigt werden. Ein Druck, jedoch nicht der behauptete Erstdruck, findet sich im „Life Magazine“ vom 11. September 1939, S. 26f. Es heißt dort: „A German Artist Draws the New War – Theo Matejko“ („bomb victims [Plural !?] in Berlin’s Pariser Plaza before the shattered Brandenburg Gate“).

Jetzt darf man aber von einem Erstdruck im Jahr 1938 ausgehen. Er findet sich nämlich zusammen mit einer Erläuterung der Entstehungsumstände und der Motive des Künstlers in einem heute nur noch selten erhaltenen schmalen Band mit Zeichnungen. Theo Matejko veröffentlichte ihn unter seinem Namen und schrieb kurze Texte zu thematisch zusammengestellten Zeichnungen, die einen sehr knapp gehaltenen Überblick seines Gesamtwerks bis 1938 bieten. In dem Kapitel „Bomben über uns“ hat er auch die Zeichnung von 1933 berücksichtigt und über die Entstehung der Zeichnung und seine damaligen Gefühle und Befürchtungen berichtet:

„Zu den Vorstellungen, die vor vielen Jahren [1933] zum ersten Male mit unheimlicher Visionskraft auf mich eindrangen, gehört die vom Luftangriff auf die Großstadt in einem Zukunftskrieg: Ich sah mit meinem  geistigen Auge Wesen  und Grauen der Vernichtung, die sich aus dem Himmel auf friedliche Menschen  herabstürzte, und ich fühlte mich gedrängt, meinen Angsttraum hinauszuschreien in Bildern als War­nung an die Millionen ahnungsloser Menschen der großen Stadt. In viele Köpfe und Herzen wollte ich Erkenntnis und damit den Willen tragen, dieser Gefahr nicht wehr- und schutzlos ausgeliefert zu bleiben.“

Die Veröffentlichung erschien im Berliner Kommodore Verlag ohne Seitenzahlen und ohne Jahresangabe – die Bibliotheksausgabe trägt den Eingangs- bzw. Bearbeitungsvermerk „1938“.

Bernd Sösemann

Berlin, 30. Januar 2013

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