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Hans Hinkel: Interview zu den Themen Nationalsozialismus und Kunst (4.4.1933)

Frage: Herr Abgeordneter Hinkel, ist der Kampfbund für Deutsche Kultur eigentlich eine nationalsozialistische Kulturorganisation?

Antwort: Jawohl, der Kampfbund für Deutsche Kultur ist die vom Führer der nationalsozialistischen Bewegung anerkannte und bevollmächtigte deutsche Kulturorganisation.

Frage: Besteht nicht die Gefahr, daß durch die rein nationalsozialistische Führung im Kampfbund alles das, was es an künstlerischer Leistung gibt, einseitig abgestempelt wird?

Antwort: Nein, im Gegenteil. Für die nationalsozialistische Führung, den Abgeordneten Rosenberg als Gründer des Kampfbundes, ist es eine Selbstverständlichkeit, daß insbesondere an den organisatorischen Spitzen im deutschen Kulturleben Nationalsozialisten stehen müssen. Andererseits lehnen aber gerade wir Nationalsozialisten in jeder Hinsicht eine parteimäßige Abstempelung der künstlerischen Gestaltung ab und wollen niemals die schöpferische Persönlichkeit irgendwie in ihrer Arbeit beengen. Würden wir das tun, dann wären wir Marxisten, die lange genug das Mitgliedsbuch ihrer Parteien als Wertmesser für die künstlerische Qualifikation benutzt haben.

Frage: Hat die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei oder Ihr Kampfbund für Deutsche Kultur das Berliner Konzert von Bruno Walter verboten oder unmöglich gemacht?

Antwort: Nein. Wir haben niemals dieses Konzert verboten oder Herrn Bruno Walter, der eigentlich Schlesinger heißt, untersagt zu dirigieren. Allerdings ist es uns unmöglich gewesen, für das Konzert etwa noch Saalschutz zu stellen. Die veranstaltende Konzertdirektion hat, wie wir erfahren haben, von sich aus das Bruno-Walter-Konzert abgesagt. Ich darf Sie darauf hinweisen, daß in dem Augenblick, als Richard Strauß an Stelle von Bruno Walter in Berlin dirigierte, er Drohbriefe aus Amerika bekam. Er hat trotzdem dirigiert, und dafür weiß das deutsche Volk ihm Dank. Ebenso ist es natürlich darüber empört, daß auf eine sonderbare Weise die amerikanische Oeffentlichkeit zum Schützer von Bruno Walter gemacht wird.

Frage: Eine weitere Frage, Herr Hinkel, die die internationale Oeffentlichkeit bestimmt sehr weitgehend interessiert: Wie verhält es sich eigentlich im Falle Max Reinhardt, der aus der Leitung des bekannten Deutschen Theaters in Berlin gedrängt worden sein soll?

Antwort: Mit Max Reinhardt, oder besser gesagt Goldmann, verhält es sich folgendermaßen: Max Reinhardt gehört nach unseren Erkundigungen bei der jetzigen Direktion des Deutschen Theaters bereits seit sieben Monaten nicht mehr der Leitung dieses Theaters an. Er inszeniert nur noch das sogenannte „Welttheater“. Er arbeitet augenblicklich hauptsächlich im Ausland. Wir haben nur festgestellt, daß er vorerst vom Deutschen Theater keinen künstlerischen Auftrag mehr erhalten hat.

Frage: Und wie steht es im Falle Klemperer?

Antwort: Das ist noch nicht entschieden. Im Interesse der disziplinierten Entwicklung in Deutschland mußte jedenfalls sein vor mehreren Tagen in Deutschland beabsichtigtes Konzert in der Staatsoper bis auf weiteres verschoben werden.

Frage: Und warum geschah das eigentlich, Herr Hinkel?

Antwort: Hier muß ich Ihnen schon wieder dieselbe Antwort geben. Wir konnten für eine derartige Veranstaltung in jenen Tagen nicht unsere SA und SS, die wir für wichtigere Dinge brauchen, als Saalschutz für Herrn Klemperer stellen. Letzten Endes ist die deutsche Oeffentlichkeit seit langem von nicht wenigen jüdischen Bankerotteuren in der Kunst provoziert worden, so daß – das mag bedauerlich sein – Klemperer und Bruno Walter unter dieser Volksstimmung zu leiden hatten.

Frage: Wie steht es nun eigentlich in der Zukunft mit der Beschäftigung ausländischer Künstler in Deutschland? Sind da irgendwelche Einschränkungen geplant oder will man ausländische Künstler ganz von Deutschland fern halten?

Antwort: Die ausländischen Künstler sollen und werden jederzeit die bei uns zur Genüge bekannte deutsche Gastfreundschaft genießen. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, daß sie nichts tun, was gegen die Interessen und das Wohl des deutschen Volkes verstößt. Ich verweise in diesem Zusammenhange nur auf unseren französischen Gast Pierre Monteux, der morgen abend unser Philharmonisches Orchester dirigieren wird und selbstverständlich in jeder Weise von uns als bekannter Künstler Frankreichs geachtet wird. Es ist natürlich kein Wunder, daß wir eine gesunde Autarkie auch auf künstlerischem Gebiet anstreben müssen. Bedenken Sie, daß wir 50.000 brotlose Musiker in Deutschland haben und wenigstens die gleiche Anzahl hungernder Schauspieler. Kein gerecht denkendes Volk der Welt kann uns eine solche Einstellung verübeln. Wir werden bei unserer künftigen Behandlung ausländischer Künstler immer fragen: Was tut das Land des ausländischen Gastes deutschen Künstlern gegenüber? So hat z.B. die Schweiz die Beschäftigung nicht schweizerischer Musiker von Zeit zu Zeit kontingentiert.

Frage: Da in der letzten Zeit in vielen Berufen die Juden verdrängt worden sind, erhebt sich naturgemäß auch die Frage, was Sie auf künstlerischem Gebiete in dieser Hinsicht planen?

Antwort: Zu dieser Frage habe ich folgende grundsätzliche Ausführungen zu machen: Wagner, Beethoven, Brahms und Bach sind urdeutsche Meister. Wir wissen, was in den letzten vierzehn Jahren wir Deutsche an Persiflagen dieser Meister erlebt haben. Wir wissen, in welchem Ausmaße jüdische Karikaturisten und Marxisten dabei beteiligt waren, deutsche Meister der Musik ebenso wie Schiller, Goethe und Kant zu verhöhnen oder als längst überwunden zu erklären. Wir wissen, daß die jüdische intellektuelle Vorherrschaft in Deutschland schließlich dahin geführt hat, daß insbesondere auf kulturpolitischem Gebiete wir Deutschen kein Hausrecht mehr besaßen. Daß solche Zustände einfach untragbar für jeden ehrliebenden Deutschen sind, werden Sie wohl verstehen.

Selbstverständlich soll der freischaffende jüdische Künstler die Möglichkeit seiner Betätigung haben, wenn er sich den Pflichten des deutschen Staatsbürgers, d.h. natürlich des Bürgers unseres neuen Staates, restlos unterzieht. In den staatlichen, den beamteten Stellungen werden wir Deutschen uns gerade auf künstlerischem Gebiete unser Hausrecht vorbehalten und es, wenn notwendig, mit allen Mitteln verteidigen. Ich erinnere nur an die Säuberung der deutschen Gerichte von einem Uebermaß an Juden, also uns Artfremden. Ich erinnere Sie weiter an die Ueberschwemmung des deutschen Aerztestandes und die jüdische Ueberschwemmung aller amtlichen Stellen in der Erziehung unserer Jugend.

Im übrigen verweise ich darauf, daß auch jüdische Künstler, als Freischaffende bemessen, an ihrer persönlichen Leistung sich durchzusetzen auch künftig immer Gelegenheit haben werden. Wir lehnen – noch dazu auf diesem Gebiet – auf das schärfste alles ab, was irgendwie mit Radau-Antisemitismus etwas zu tun hat oder als solcher bezeichnet werden könnte. Wir wissen zur Genüge, daß es sich hier um die ernsteste Frage unseres völkischen Lebens überhaupt handelt. Denken Sie bitte daran, was Alfred Kerr, Emil Ludwig-Cohn, Lion Feuchtwanger, Ignaz Wrobel [Pseudonym von Kurt Tucholsky] und ähnliche Literaten in Deutschland und jetzt außerhalb der Grenzen uns angetan haben.

Frage: Herr Hinkel, warum lächelten Sie eigentlich, als Sie den Namen Feuchtwanger nannten?

Antwort: Ich bin im Besitz eines Briefes, den Lion Feuchtwanger im Jahre 1917 an einen großen deutschen Verlag richtete. In diesem Briefe bot Feuchtwanger noch Ende 1917 dem Verlage ein Stück an, das den großen Krieg bejahte und das nationale deutsche Stück dieser Tage werden sollte. Das Stück war schon zum größten Teil fertig. Sie werden verstehen, daß über solche Geschäftemacher und Konjunkturjäger die Akten bei uns geschlossen sind.

Frage: Wie stehen Sie eigentlich zu Furtwängler, Max v. Schillings, Muck, Richard Strauß und den anderen großen unpolitischen Künstlern?

Antwort: Wir fordern gar nicht, daß unsere Künstler politisch im landläufigen Sinne tätig sind. Ebenso verlangen wir nicht, daß sie restlos parteipolitisch abgestempelt sind. Meine Unterhaltungen, sowohl mit dem großen Furtwängler als auch mit Meister Schillings und vielen anderen über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus bekannten und bedeutenden deutschen Künstlern, Musikern oder Dichtern, wie Hanns Johst, Kolbenheyer, Peter Dörfler, mit Architekten wie Professor Kreis, Schultze-Naumburg und Schmidthenner oder anderen kulturell schaffenden deutschen Männern haben immer wieder bewiesen, daß unsere Haltung angesichts der Zustände, die Adolf Hitler nach Regierungsübernahme vorfand, nicht nur Verständnis fand, sondern von all diesen Künstlern als unbedingt notwendig angesehen wurde. Wir freuen uns, daß gerade diese in der ganzen Welt bekannten Künstler heute guten und reinen Willens ihre Persönlichkeit in den Dienst der deutschen Sache stellen und daß sie uns besser kennen als jene, die heute in der ganzen Welt uns als Barbaren beschimpfen. Abschließend möchte ich Ihnen sagen, daß wir Nationalsozialisten im gesunden Sinne großzügig und weitherzig ganz besonders in allen künstlerischen Dingen sind. Für eine solche Haltung bürgt besonders die Person unseres Volkskanzlers Adolf Hitler, der im besten Sinne der deutsche künstlerisch interessierte Mensch ist, dafür bürgen weiter unsere Minister.

aus: Sösemann/Lange, Propaganda, Nr. 1154.