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Im Mai 2011 haben sich ein Träger- und ein Förderverein konstituiert um die Idee eines Deutschen Pressemuseums im Ullsteinhaus umzusetzen. Initiator des Museumsprojektes ist der Journalist und Kulturmanager Holger Wettingfeld.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören u.a. der Schriftsteller Sten Nadolny, der Fotograf Robert Lebeck, die Geschäftsführerin Freundeskreis Willy Brandt-Haus, Gisela Kayser, der Künstler Hans Peter Kuhn, MdA Frank Zimmermann, Matthias Zipser (Becker & Kries), der Journalist Albrecht von Lucke, der Theaterregisseur und Ullsteinenkel Geoffrey Layton, sowie die Rechtsanwältin Denise Dreyer.

Die Museumsidee

Ein Museum, das die Pressetradition Berlins als Hauptstadt zum Mittelpunkt hat und von diesem Kern aus die nationale Pressegeschichte spiegelt und darstellt, fehlt bislang in der deutschen Kulturlandschaft. Allgemeiner ansetzende Medien-, Zeitungs- oder Kommunikationsmuseen können diese Lücke nicht füllen. Ein nicht nur deutschlandweit, sondern auch in Europa, einmaliges Museumsprojekt.

Das „Deutsche Pressemuseum im Ullsteinhaus“ beschreibt die Entwicklungslinien und Strukturen von nationaler Presse und Pressefreiheit – in sechs politischen Systemen von der Kaiserzeit bis zur parlamentarischen Demokratie der Gegenwart. Im Zentrum steht die Rolle und der Wert von Journalismus als sogenannte „Vierte Gewalt“ und der Rohstoff des Journalismus – die Nachricht und ihre Entstehungsbedingungen.

Durch die Entwicklung des Internets befindet sich die Medienlandschaft in ihrer tiefgreifendsten Umwälzung seit Erfindung des Buchdrucks. Das Deutsche Pressemuseum will diese Strukturkrise und Neuordnung von Print- und Onlinejournalismus aktiv begleiten und Forum sein für diesen Prozess – auf dem vierhundertjährigen Fundus der bisherigen Pressegeschichte der „Holzmedien“.

Der Eigentümer des Ullsteinhauses, die Firma Becker & Kries, stellt als Kooperationspartner für den Anfang eine Ausstellungsfläche von bis zu 1.000 qm zur Verfügung.

Der Museumsort

Das Ullsteinhaus ist der genius loci für ein Deutsches Pressemuseum – hier ergänzen sich Form und Inhalt in idealer Weise zu einem authentischen Ort, an dem sich Höhe- und Tiefpunkte deutscher Pressegeschichte in exemplarischer Weise verdichten.

Das Ullsteinhaus, 1925 bis 1927 von Eugen Schmohl erbaut, ist ein Wahrzeichen Tempelhofs und gilt als Ikone moderner Industrie-Architektur. Der markante Backsteinbau diente Ullstein als Druckhaus für den Zeitschriften- und Buchverlag.  Hier wurden neben den bekannten Ullstein-Medien wie „Vossische Zeitung“, „Berliner Morgenpost“, „Berliner Illustrirte Zeitung“, „B.Z.“ „Tempo“, „Uhu“, „Querschnitt“ oder „Die Dame“ auch literarische Welterfolge publiziert: Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1928) oder Vicki Baums „Menschen im Hotel“ (1929).

Ullstein schrieb seit seiner Gründung 1877 deutsche Pressegeschichte und war bis zur Zwangsenteignung 1934 durch das NS-Regime größter deutscher Verlag und der weltweit erste Medienkonzern. Die expressionistische Architektur des Ullsteinhauses ist immer noch Ausdrucks dieses Selbstbewußtseins, ein Stück New York in Berlin. Der liberale und legendäre „Ullstein-Geist“ war ein tragender Pfeiler der jungen Demokratie der Weimarer Republik und vereinigte Qualität mit Massenakzeptanz:

Die „Berliner Illustrirte Zeitung“ – B.I.Z. – war bis 1933 mit einer Auflage von fast 2 Mio. Exemplaren, die damals größte Zeitschrift der Welt. Das innovative Layout und die essayistischen Fotoreportagen waren Vorbild für viele Zeitschriften. Die beiden kreativen Köpfe hinter der B.I.Z. waren Kurt Szafranski (Leiter der Zeitungsabteilung) und Kurt Korff (Chefredakteur). Beide emigrierten 1934 nach der Zwangsenteignung Ullsteins durch die Nazis, in die USA und waren, beauftragt durch Henry Luce, maßgeblich an der Entwicklung und Gründung des „Life“- Magazine 1936 beteiligt – mit der B.I.Z  als konzeptionellen Referenzrahmen. Die letzte Ausgabe der B.I.Z. erschien zum Kriegsende 1945. Seit dem 19.03.1964 führt die Sonntagsbeilage der Berliner Morgenpost als historische Reminiszenz den Namen der Berliner Illustrirten Zeitung im Titel.

1937 tilgten die Nazis den Namen Ullstein aus der Öffentlichkeit. Der Ullsteinverlag wurde in „Deutscher Verlag“ umbenannt und druckte im Ullsteinhaus, das fortan „Deutsches Haus“ hieß, bis Kriegsende ausschließlich NS-Propaganda. Aus der Taschenbuch-Reihe, den gelben Ullsteinbüchern, wurden „Uhlenbücher“; die „Ullstein-Schnitte“, die beliebten und von Ullstein 1926 als Beilage im „Blatt für die Hausfrau“ entwickelten Ullstein-Schnittmusterbögen (Slogan: “Sei sparsam Brigitte, nimm Ullstein-Schnitte“), wurden nun als „Ultra-Schnitte“ beworben.  Und letztlich wurde auch die Postadresse am Ullsteinhaus in Tempelhof von Ullsteinstraße bis 1952 in „Zastrowstraße“ geändert.

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Foto im Eingangsbereich aus dem Jahre 1954: Eine Hinweistafel informiert über die Zeitungen, für die das Ullsteinhaus Redaktionssitz und Druckhaus zugleich war – es war nahezu die gesamte damalige Westberliner Presse. (Abbildung mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung durch ullstein bild)

Mit der Zerstörung des alten Berliner Zeitungsviertels in der Kochstraße im Februar 1945 begann nach Kriegsende der Wiederaufstieg des Ullsteinhauses: Unter der Initiative von Peter de Mendelssohn, dem damaligen Pressechef der amerikanischen Besatzungsmacht, wurde das „Druckhaus Tempelhof“ ab Herbst 1945 zum Ort des Neubeginns für eine freie und demokratische Presse in Westberlin. Fünf Tageszeitungen wurden hier gedruckt, darunter „Der Tagesspiegel“, „Die Welt“ und „Die Neue Zeitung“.

1952 erfolgte unter der Federführung von Karl und Rudolf Ullstein die Rückgabe von Verlag und Ullsteinhaus an die Familie Ullstein. Berliner Zeitungsinstitutionen wie die „Berliner Morgenpost“ und „B.Z.“ erschienen wieder. Auch nach der Rückgabe des Ullsteinverlags blieben Zeitungen, wie „Der Tagesspiegel“,  „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“ im Ullsteinhaus.

Ende 1959 übernahm der Springer-Verlag Ullstein in der dritten Generation. 1963 wurde das Ullsteinhaus an den Stuttgarter Weitpert-Verlag als Druckhaus verkauft. Seit 1965 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. 1986 wurde das Ullsteinhaus an die Firma Becker & Kries verkauft.

Die Sammlung

Titelblatt "Kiosk"

„Kiosk“ – auf dem Titel: Robert Capa

Ein weiteres Ziel ist es, die wertvolle „Kiosk“-Sammlung des bekannten Fotografen Robert Lebeck zu erwerben und im Ullsteinhaus dauerhaft auszustellen.

„Kiosk“ umfasst 30.000 Exponate zur Geschichte der Fotoreportage von 1839 bis 1973 – von der ersten Daguerreotypie bis zur letzten Ausgabe des legendären „Life“-Magazine. 2002 erhielt Robert Lebeck dafür den „Infinity“- Award des International Center of Photography (ICP) in New York.

Geplante Ausstellungen

2014 Eröffnung der Dauerausstellung der „Kiosk“-Sammlung von Robert Lebeck.

2013 Teilnahme am Berliner Themenjahr „1933 1938 – Zerstörte Vielfalt“.
Im Ullsteinhaus bereiten wir dazu die Ausstellung „ Zerschlagung und Gleichschaltung der deutschen Presse am Beispiel des Ullsteinverlags“ vor, mit folgenden Unterausstellungen:

  • Jahres-Chronik 1933
  • Titelblätter von Ullsteinmedien vom 1.1.1933 bis 10.6.1934 (Zwangsenteignung des Ullsteinverlags)
  • Veranstaltung „Das Freie Wort“ der einzigen Protestveranstaltung für Meinungsfreiheit in der NS-Zeit am 19.02.1933. Podiumsdiskussion im Willy-Brandt Haus am 19.02.2013, in Kooperation mit dem Freundeskreis Willy Brandt-Haus.
  • Nachlass Kurt Szafranski
  • Presse in der NS-Presse (in Ergänzung zur Ausstellung in der Topographie des Terrors)
  • Gedenkveranstaltung zur Bücherverbrennung am 10.5.1933
  • Lesung von Ullsteinautoren, wie H. Mann, E.M. Remarque, L.Feuchtwanger, deren Werke verbrannt wurden
  • Überblicksausstellung zur Historie von Ullsteinverlag und Ullsteinhaus 1877-1960

Begleitet wird die Ausstellung mit einem Rahmenprogramm mit Zeitzeugen und Experten.