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Beiträge von Hans Hartmann

Die BMP ließ im April 1933 den 1888 geborenen, promovierten Theologen und in Berlin als freien Schriftsteller arbeitenden Hans Hartmann zweimal auf ihrer Titelseite zu Wort kommen. Der erste Beitrag war am 6. April erschienen, den zweiten publizierte die Redaktion nun 8 Tage später. Die BMP ließ im April 1933 den 1888 geborenen, promovierten Theologen und in Berlin als freien Schriftsteller arbeitenden Hans Hartmann zweimal auf ihrer Titelseite zu Wort kommen. Die Zeitung und ihr Leitartikler vermittelten damit den Lesern einigen Punkten eine von der nationalsozialistischen Weltanschauung abweichende Position.

Hans Hartmann, Dr.phil. und Lic.theol., wurde am 5. November 1888 in München geboren. Er studierte Philosophie und Protestantische Theologie. 1919 veröffentlichte er das Werk „Jesus, das Dämonische und die Ethik“. Mit dem Buch „Die junge Generation in Europa“ von 1930 hatte er einen ähnlich großen Erfolg, denn beide Publikationen erfuhren eine zweite Auflage (1923 bzw. 1933).

Hartmann geht von einem, wie er schreibt, „heute wieder sehr umstritten(en)“ Begriff aus, dem des Humanismus, und fügt sogleich hinzu: „Mehr als es seit langer Zeit der Fall war.“ Damit verweist er hier und im Folgenden auf die aktuelle Situation: die Geist- und Kulturfeindlichkeit des Nationalsozialismus, den Rassekult, die Ablehnung zentraler humaner Wertvorstellungen wie die Achtung der Menschenwürde und des Grundsatzes, das alle Menschen gleich seien. In der Öffentlichkeit zirkulierte damals die Göring zugeschriebene Aussage „Wenn ich Kultur höre, entsichere ich meinen Browning“ (stammt jedoch aus dem ersten Akt des aus dem Dramas „Schlageter“ von Hanns Johst, das dieser 1923 Hitler „in liebender Verehrung und in unwandelbarer Treue“ gewidmet hat).

In seinen beiden BMP-Leitartikeln vermittelt Hartmann seinen Leser einen Eindruck vom humanistischen Denken. Er betont den Wert von Individualität und selbständigem Denken, von Freundlichkeit und Rücksichtnahme. Dabei plädiert er für eine „hohe geistige Kultur“, die antike Philosophie und das Griechentum. In jener Zeit und in der Epoche der Reformation habe der Einzelne im Mittelpunkt gestanden. Es sei damals um das individuelle Talent gegangen, die um Entwicklung seiner Fähigkeiten und Möglichkeiten. Ein wiederbelebter Humanismus müsse einer der „Baustein(e) zum Neubau Deutschlands“ werden. Dieses Ziel werde von vielen jungen Menschen ersehnt. Unter dem Dach des Humanismus, betont er abschließend, könnten sich „viele gute Geister zusammenfinden“.

Deshalb steht Hartmann der NS-Weltanschauung ablehnend gegenüber – sie erwähnt er jedoch nicht ausdrücklich – und formuliert seine Distanz zu der Glaubensbewegung Deutsche Christen“, die mit Zustimmung der NSDAP eine „Germanisierung des Christentums“ propagierte (ihr Bischof und seine Anhänger hielten übrigens Hitler für den wiedergeborenen „Heiland“).

In der NS-Zeit erschienen von Hartmann noch die Bücher: „Der ideale Staat“ (1934), „Denkendes Europa – ein Gang durch die Philosophie der Gegenwart“ (1936); Max Planck als Mensch und Denker 1938 (in dritter Auflage 1953); „Gesunde Kinder – das Lebenswerk Adalbert Czernys“ (1938), des Begründers der modernen Kinderheilkunde und berühmten Arztes der Charité, und das Buch „Weltmacht Kohle“ (1940). Nach 1945 veröffentlichte er u.a. „Schöpfer des neuen Weltbildes – Große Physiker unserer Zeit (1952) und in den folgenden beiden Jahren „Georg Agricola – Begründer dreier Wissenschaften“ und „Begegnung mit Europäern – Gespräche mit Gestalten unserer Zeit“.

Bernd Sösemann