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Zur Historischen Orientierung

„Die Woche des deutschen Buches“

Die Nationalsozialisten riefen 1934 die „Woche des deutschen Buches“  ins Leben. Sie diente als propagandistische Maßnahme. Das Buch „Mein Kampf“ sollte zum Inbegriff des „deutschen Buches“ werden. Schon zuvor verschwanden unzählige literaturgeschichtliche Klassiker aus den Bibliotheken und Büchereien. Die Bücher jüdischer und liberaler Autoren landeten öffentlich im Feuer.

Das Reichsinnenministerium widmete von 1929 an dem Buch einen Tag. Im Jahr 1933 fand der  „Tag des Buches“ am 22. März statt, Goethes Todestag. Noch vor der Machtübergabe an die Hitler-Papen-Hugenberg-Koalition erhielt der Jahrestag sein Motto: „Buch und Volk“. Wegen der starken Präsenz des „Tages von Potsdam“ fielen die Berichte über ihn aber spärlich aus.  Von 1934 an organisierten die Gruppen und Verbände der Reichsschrifttumskammer  eine „Woche des deutschen Buches“. Joseph Goebbels und sein Ministerium übernahmen die Schirmherrschaft.

Die Buch-Woche etablierte sich: Sie fand von 1934 bis 1942 jedes Jahr statt – nur 1939 fiel er kriegsbedingt aus.  Die Nationalsozialisten instrumentalisierten auf diese Weise die Literatur. In der Weimarer Republik hatte der „Börsenverein der Deutschen Buchhändler“ den Buch-Tag angeregt, um seinen Absatz zu steigern.  Die Nationalsozialisten verfolgten jedoch andere Ziele: Die jährlichen Werbethemen wie Frau, Arbeiter, Jugend, Bauer oder Soldat, die jeweils mit dem Buch verbunden wurden, waren seit 1934 auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtet. Die „Volksgemeinschaft“ sollte sich auch im „deutschen Buch“ widerspiegeln.

Die Woche begann mit einem Staatsakt in Weimar. Der Ort sollte die langzurückreichende Tradition eines „deutschen Buches“ symbolisieren. Propagandaminister Goebbels eröffnete 1934 die Woche mit einer Rundfunkansprache. Darin mahnte er, dass das Buch wieder der breiten Masse zugänglich sein soll: „Das Buch muß wieder in das Volk hinein.“  Auf der zweiten Buch-Woche 1935 unter dem Titel „Das Buch – ein Schwert des Geistes“ wurde der Propagandaminister noch deutlicher:

„So ist uns Nationalsozialisten auch das Buch nicht mehr eine Gelegenheit zu weltfremder Bürgerbeschaulichkeit, zu Spintisiererei und genießerischer Passivität; es wird in den Händen des jungen Deutschland zu einer scharf geschliffenen Waffe im Kampf unseres Volkes um seinen Wiederaufbau und um größere Zukunft.“ (zit. nachStenzel, Burkhard: „Buch und Schwert“. Die „Woche des deutschen Buches“ in Weimar (1934-1942). Anmerkungen zur NS-Kulturpolitik, in: Ursula Härtl [u.a.] (Hrsg.): „Hier, hier ist Deutschland …“. Von nationalen Kulturkonzepten zur nationalsozialistischen Kulturpolitik. Göttingen 1997,94.)

Die Nationalsozialisten nutzten den Ort Weimar und mit ihm die Klassiker Goethe, Schiller, Herder und Wieland, um eine rassenideologisch aufgeladene „deutsche“ Literatur zu präsentieren – im Zentrum: „Mein Kampf“ von Adolf Hitler. Über Buch-Ausstellungen, Broschüren, Kurzfilme, Hörfunk und der begleitenden Presseberichterstattung versuchten sie, für das „deutsche Buch“  zu werben. Den geschah auch an den Orten, an denen bereits 1933 Bücher jüdischer und liberaler Autoren brannten.

Oliver Gaida